Der TV Oyten ist gerettet

Der Deutsche Handballbund hat die Spielzeit in den dritten Ligen nun auch offiziell für beendet erklärt. Demnach bleibt der TV Oyten drittklassig



Absteiger wird es in dieser Saison nicht geben. Daher haben Marc Winter (l.) und Lars Müller-Dormann ihr Ziel mit den Handballerinnen des TV Oyten erreicht. (Björn Hake)

Oyten. Marc Winter und Lars Müller-Dormann verfolgen ein bestimmtes Ziel: Das Trainergespann will mit den Handballerinnen des TV Oyten in der Saison 2021/2022 definitiv in der 3. Liga antreten. Notfalls hätten sie für dieses Ziel in diesem Jahr den Abstieg und den Umweg über die Oberliga in Kauf genommen. Doch diesen Weg müssen die „Vampires“ nicht einschlagen. Der Deutsche Handballbund (DHB) hat am Dienstag die Saison in den 3. Ligen und in den Jugend-Bundesligen offiziell für beendet erklärt und zudem entschieden, dass es in diesem Jahr keine sportlichen Absteiger gibt. Von dieser Regelung profitiert auch der TV Oyten. 

Es klingt zynisch: Aber schlussendlich hat das Coronavirus den TV Oyten vor dem Abstieg gerettet. Denn die weltweite Krise, die die Ausbreitung des Erregers ausgelöst hat, ist der Grund für den Abbruch. Gespielt wird auch in der 3. Liga seit Mitte März nicht mehr. Zu diesem Zeitpunkt stand der TVO in der Nordstaffel auf dem elften und somit dem vorletzten Tabellenrang. Im Normalfall ist dies ein direkter Abstiegsplatz. Doch normal ist dieser Tage nun einmal gar nichts. Daher müssen besondere Verfahren her, um die frühzeitig beendete Saison zu werten. Bereits vor einigen Tagen hatte der DHB erklärt, dass die Abschlusstabellen mit einer Quotienten-Regelung erstellt werden sollen. Die Anzahl der erzielten Punkte werden durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt (Stand: 12. März 2020). Der TVO kommt auf einen Wert von 0,47. Damit bleiben die „Vampires“ zwar Elfter, aber aufgrund der DHB-Entscheidung, niemanden absteigen zu lassen, eben auch Drittligist.

Der Entschluss des DHB hat beim TV Oyten eines ausgelöst: tiefes Durchatmen. „Natürlich sind wir erleichtert, da die Entscheidung jetzt auch offiziell ist. Überrascht bin ich aber überhaupt nicht“, gesteht Marc Winter. Der Trainer habe fest damit gerechnet, dass der DHB so entscheidet. „Überraschend wäre es gewesen, wenn unsere Liga die einzige gewesen wäre, die ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen hätte.“ Winter weiß, dass er und sein Team irgendwie auch mit dem berühmten blauen Auge davonkommen sind. Als „Geschenk“ wolle Marc Winter den Klassenerhalt jedoch keineswegs ansehen. Denn er ist überzeugt, dass die „Vampires“ den Klassenerhalt auch auf sportlichem Weg geschafft hätten. Die Entwicklung sei eine gute gewesen. „In der Rückrunde haben wir fast nur gute Leistungen abgerufen und den Rückstand zu den Nichtabstiegsplätzen stetig verkürzt“, urteilt der Coach. „Wobei wir natürlich lieber im Heimspiel gegen den Frankfurter HC den Klassenerhalt auf dem sportlichen Weg gefeiert hätten.“ Der FHC wäre an diesem Sonntag zum ursprünglich geplanten Saisonfinale in die Pestalozzihalle gekommen. Während sich Oyten in der Tabelle unten aufhält, schließen die Frankfurterinnen die Saison mit einem Quotienten von 1,52 auf Rang drei ab. Sportliche Absteiger gibt es 2020 zwar keine, ein Meister wird hingegen gekürt. Neuer Titelträger in der Nordstaffel der Frauen ist der TV Hannover-Badenstedt. Das Team aus der Landeshauptstadt kommt auf einen Quotienten von 1,64. Zweiter ist der Buxtehuder SV II (1,58).Schober: Notwendige EntscheidungSeine Entscheidung über den Abbruch hat der DHB am Dienstag in der Pressemitteilung ausführlich begründet. „Unsere Vereine der 3. Liga und Jugend-Bundesliga haben an ihren Standorten keine Möglichkeit, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen und können in der Folge auch keine Spiele austragen“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbundes. „Die Saison in der 3. Liga und der Jugend-Bundesliga abzubrechen, ist aufgrund der Corona-Pandemie und mit Blick auf die weiter dringend erforderliche Reduzierung der Zahl neuer Infektionen eine notwendige und richtige Entscheidung. Leicht gefallen ist uns dieser Schritt nicht, aber angesichts der Corona-Pandemie und der gesundheitlichen Risiken haben Vernunft und Verantwortung unser Handball-Herz überstimmt.“ Derzeit sind Großveranstaltungen bis zum 31. August verboten, aktuell gelten noch Einschränkungen für den gesamten Sportbetrieb. Mark Schober appelliert daher: „Wir müssen jetzt alle miteinander daran arbeiten, dem Handballsport nach der Corona-Pandemie einen erfolgreichen Neustart zu ermöglichen.“

Da es Aufsteiger gibt, rechnet der DHB damit, dass in der Saison 2020/2021 die 3. Ligen mehr Teams aufnehmen müssen. Bei den Frauen könnten sich in der kommenden Serie maximal 60 Mannschaften auf die vier Staffeln aufteilen. Laut des DHB lag die Obergrenze bisher bei 56 Teams. „Die näheren Einzelheiten legt der Vorstand des Deutschen Handballbundes auf Vorschlag der Spielkommission der 3. Liga noch fest“, heißt es in der Mitteilung des DHB. Genauso müssten die zuständigen Gremien beschließen, wie die Auf- sowie Abstiege in der Saison 2020/2021 geregelt werden.

Für den TV Oyten und die restlichen Drittligisten geht hingegen eine spiel- und trainingsfreie Zeit weiter, von der aktuell niemand weiß, wann sie endet. Die Hallen bleiben wohl noch länger geschlossen. Aber die Politik hat bereits in Aussicht gestellt, dass Sporttreiben unter freiem Himmel und unter bestimmten Voraussetzungen zeitnah wieder möglich sein soll. „Lars und ich sind nun schon lange im Trainergeschäft dabei. Aber jetzt ist auch für uns die Zeit gekommen, uns neu zu erfinden“, sagt Winter. Das TVO-Trainerduo macht sich bereits Gedanken darüber, wie ein Training aussehen könnte, wenn die Einschränkungen gelockert werden. Winter: „Die Planungen laufen jetzt an.“ Und dieser Plan sieht vor, dass am Ende das große Ziel erreicht wird, das die beiden Trainer verfolgen.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

21.04.2020, 19:27 Uhr Presseberichte