Aufstiegsfeier des TV Oyten: Cool und seltsam zugleich

Der TV Oyten feiert auf eine etwas andere Art und Weise den Verbandsliga-Aufstieg – und zwar online


Gemeinsam jubeln, das ist für Robin Hencken (links) und Timo Blau am Ende der Saison 2019/2020 ausgefallen. (Björn Hake)

Der Abpfiff ertönt. Von der Bank aus rennen die Auswechselspieler jubelnd auf das Spielfeld, fallen ihren Teamkollegen in die Arme. Es folgt die eine oder andere Bierdusche. Der Hallenboden wird zunehmend klebrig. Ist die Halle dann erst einmal verlassen, geht die Party in einem Lokal erst so richtig los. So sieht eine klassische Meisterfeier aus. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Corona-Krise ist der Grund. Auch die Handballer des TV Oyten mussten jetzt auf eine echte Meisterfeier verzichten. Ein wenig gefeiert wurde beim künftigen Verbandsligisten aber dennoch – wenn auch auf eine etwas andere Art und Weise.

Seit Ende der vergangenen Woche steht fest, dass in der Landesliga in dieser Saison nicht mehr gespielt wird. Der Handballverband Niedersachsen (HVN) hat sich für einen Abbruch der Spielzeit 2019/2020 entschieden. Die Aufsteiger wurden anhand einer Quotientenregel ermittelt (wir berichteten). Davon profitiert hat der TV Oyten, der in der Landesliga Bremen vor dem TV Schiffdorf Rang eins belegt. Der Aufstieg in die Verbandsliga ist für die „Vampires“ am grünen Tisch zur Realität geworden. Doch wie feiert man in Zeiten von Corona und den damit verbundenen Kontaktverbot solch einen Erfolg? Die Antwort: online.

In der aktuellen Lage zeigt sich nun einmal verstärkt, welche Vorteile das Internet mit sich bringt. Videochats werden derzeit vermehrt genutzt. Sei es aus beruflichen Gründen, um Freunde zu sehen oder eben in dem Fall, wenn es etwas zu feiern gibt. Und dank des Internets konnten die TVO-Handballer ihren Aufstieg vor wenigen Tagen doch ein wenig gemeinsam bejubeln. Am Mittwoch hatte der HVN seine Entscheidung verkündet, einen Tag später trafen sich die Handballer aus Oyten dann im Internet. Mittendrin war Sören Blumenthal. Von einer echten Feier wolle er aber nicht sprechen. „Es war eine coole, aber dennoch komische Situation“, urteilte Blumenthal, der beim TVO zu den Routiniers zählt. Oder besser zählte. Denn er hängt seine Handballschuhe nun an den Nagel und trainiert künftig die zweite Mannschaft des TV Oyten.


Im Videochat der Spieler des TV Oyten war so einiges los.

Nun hat Blumenthal aber erst einmal die Zeit genossen, die er mit seinen baldigen Ex-Teamkollegen verbracht hat. Vor der Online-Aufstiegsfeier habe er seine Mitspieler zuletzt Mitte März – vor der Aussetzung des Spielbetriebs – gesehen. „Wir haben am Donnerstag rund viereinhalb Stunden gequatscht. Einige haben sich früher verabschiedet, andere sind im Laufe des Abends dazu gekommen. Aber in der Spitze waren wir immer mit neun Leuten im Chat. Und natürlich hatte jeder sein Kaltgetränk dabei“, erzählt Blumenthal schmunzelnd. Jeder, der im Videochat dabei war, habe zudem seine Meinung kundgetan, ob der HVN mit der Quotientenregel die passende Lösung gefunden habe. „Alle waren der Ansicht, dass der Verband richtig entschieden hat und wir verdient aufsteigen“, meint der Rechtshänder. Schade sei es jedoch gewesen, dass nun nur online „gefeiert“ wurde. „Leider ist eine richtige Feier zurzeit nicht planbar. Aber es war dennoch schön, dass man die Jungs mal wieder gesehen hat“, sagt Blumenthal.

Ein anderes Ende gewünscht

Geplant ist hingegen, wie Sören Blumenthals aktive Laufbahn weitergeht: Sie ist nun beendet. Einen schöneren Abschluss – wie soll es anders sein – habe er sich jedoch gewünscht. „Für mich ist das Ganze schon sehr bescheiden gelaufen“, sagt Blumenthal. „Ich hätte schon gerne ein richtiges Abschiedsspiel gehabt und mir noch einmal Applaus abgeholt.“ Aber an der aktuellen Situation sei nun einmal nichts zu ändern. Und wer weiß, vielleicht bekommt er sein Abschiedsspiel ja noch. „Wenn unser Trainer Lars Müller-Dormann mich fragen sollte, ob ich in der neuen Saison noch einmal kurz eingesetzt werden möchte, sage ich bestimmt nicht nein. Denn in den Fingern juckt es schon noch.“

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

15.04.2020, 06:36 Uhr Presseberichte