Das Ende der Handball-Saison und seine Folgen

Der HVN hat die Spielzeit 2019/2020 für beendet erklärt. Es gibt in allen Ligen keine Absteiger und die Landesliga-Männer des TV Oyten steigen nach Quotientenregelung auf



Spielen künftig in unterschiedlichen Klassen: Robin Hencken (links) steigt mit Oyten in die Verbandsliga auf, Tim Härthe hat sich mit der HSG Verden-Aller in der Landesliga etabliert. (Björn Hake)

Landkreis Verden. Das Warten für die Handballer hat ein Ende, nun ist eine Entscheidung gefallen: Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) bricht die Saison 2019/2020 ab. Dies war das Resultat einer Telefonkonferenz des Präsidiums am Mittwochabend. Die Entscheidung sei einstimmig gewesen, heißt es auf der Homepage des HVN. Zudem wurde beschlossen, die Aufsteiger per Quotientenregelung zu ermitteln.Unsere Redaktion hat aber schon mal fleißig den Taschenrechner bemüht, sämtliche Daten der Ligen mit kreisverdener Beteiligung eingetippt und die Abschlusstabellen nach der Quotientenregelung errechnet.Oyten übernimmt Platz einsDie weitreichendste Konsequenz im Kreis Verden hat dieser Beschluss für die Landesliga-Männer des TV Oyten. Demnach hätte der TVO den anvisierten Aufstieg in die Verbandsliga geschafft. Er nimmt in der Tabelle zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung Rang zwei ein und kann auf 31 Pluspunkte aus 18 Spielen verweisen. Spitzenreiter TV Schiffdorf sammelte in 20 Partien 32 Pluspunkte. Somit hat der TVO den Quotienten 1,72, Schiffdorf kommt auf 1,6. Also verlässt die Truppe des Trainerduos Lars Müller-Dormann und Marc Winter die Liga nach oben hinaus.

Und entsprechend froh ist man beim TVO über diese Entscheidung. „Nachdem man wusste, welche Regelung getroffen worden war, war das natürlich eine gute Nachricht für uns“, freute sich Lars Müller-Dormann. Damit fiel den Verantwortlichen auch ein großer Stein vom Herzen, auch wenn die nun getroffene Regelung sich abgezeichnet hatte. „Das Worst-Case-Szenario wäre ja eine Annullierung der Saison gewesen. Das war ja, nachdem die Saison unterbrochen worden war, unsere größte Befürchtung. Wir wollten es dieses Jahr ja eigentlich noch nicht erzwingen, aber nachdem die Spielzeit so gut für uns gelaufen ist, waren alle heiß auf den Meistertitel. Jetzt ist zwar irgendwie die Luft etwas raus, aber wir sind erst mal alle glücklich, dass es nicht doch noch nach hinten losgegangen ist.“ Nicht nur deshalb, weil diese Regelung dem TVO das erhoffte Happy End beschert hat, betitelt Lars Müller-Dormann die Entscheidung des HVN als eine gute. „Das ist das, was überall gemacht wird. Wir sind zwar nicht Erster, aber man muss sich ja mal die Ergebnisse anschauen. Wir haben Schiffdorf zweimal geschlagen und haben bei zwei weniger absolvierten Spielen nur einen Punkt weniger. Anders herum hätte das nicht sein können, wenn Schiffdorf anstatt wir aufgestiegen wäre. Sportlich gesehen kann sich keiner beschweren. Wir sind deshalb ein verdienter Aufsteiger.“Entscheidung für gut befundenMit dieser Meinung steht der TVO-Coach nicht alleine da. Florian Schacht, Trainer der SG Achim/Baden II, pflichtet ihm bei: „Kompliment an die Oytener, sie stehen verdient in der Verbandsliga. Ich sehe auch keine andere, keine bessere Lösung, als dass Oyten ganz oben steht.“ Auch generell erachtet Schacht die Entscheidung für gut. „Natürlich hätten wir gerne die Saison zu Ende gespielt und noch die Duelle wie etwa gegen Grüppenbühren, Schiffdorf und Verden-Aller ausgetragen, aber das geht allen so. Die Entscheidung ist absolut nachvollziehbar, die Gesundheit aller geht vor.“

Beim Punkt, dass es keine Absteiger gibt, befindet sich der SG-Coach aber im Zwiespalt. „Manchmal ist ein Neuanfang in einer unteren Liga sinnvoller für Mannschaften, die weit unten standen. Aber das muss jeder Verein für sich entscheiden. Für uns wäre es eh nicht mehr weit nach oben oder nach unten gegangen. Wir haben unser Ziel, unter die ersten Fünf zu kommen, erreicht. Andere Absteiger landen teils ganz wo anders.“ Die SG Achim/Baden II sammelte in 19 Spielen 27 Punkte auf der Habenseite und landete damit auf Rang vier. Die Quotientenregelung änderte an der Platzierung der SG nichts.

Das gilt ebenso für die HSG Verden-Aller. 15 Pluspunkte in 20 Spielen bedeuten Rang neun. Auch wenn die Quotientenregelung die HSG auf einen anderen Platz gespült hätte, wäre es Coach Sascha Kunze egal gewesen. „In allen denkbaren Variationen hätten wir weder mit dem Aufstieg noch mit dem Abstieg etwas zu tun gehabt. Auch ohne Corona wären wir in der Klasse geblieben. Daher bin ich auch nicht unzufrieden mit der Saison. Wir haben hier vor drei Jahren mit dem Ziel angefangen, uns in der Landesliga zu etablieren. Und davon kann man auch sprechen.“

Wie seine Trainerkollegen spricht auch Kunze von einer nachvollziehbaren Entscheidung. „Ich bin damit absolut einverstanden. Es ist das Beste für alle, dass es keine Absteiger gibt. Diejenigen, die keine Chance mehr gehabt hätten, haben nun einfach Glück gehabt. Und auch die Aufstiegsregelung ist nachzuvollziehen. Manche wird das sicherlich nicht zufrieden stimmen, aber es musste eine Entscheidung her. Das ist die fairste Lösung, an der kann am wenigsten rumgemäkelt werden.“ 

Auch die Saison abzubrechen und nicht weiter aufzuschieben, bezeichnet Kunze als „absolut richtig“. „Irgendwann ist der Zeitpunkt einfach gekommen, wo man sie beenden muss. Es hätte wenig Sinn gemacht, den Spielbetrieb von jetzt auf gleich wieder zu starten, ohne das man vorher in die Hallen kann. Ich habe zwar allen Hausaufgaben mitgegeben, aber das ist etwas anderes, und wirklich kontrollieren kann ich das auch nicht.“

Diese Bedenken hatte auch Tobias Naumann, Coach der Oberliga-Truppe der SG Achim/Baden. „Wir können nicht in die Hallen, daher wäre es nicht richtig gewesen, gleich von null auf hundert zu schalten. Und mit einer Vorbereitungsphase wäre alles wieder viel zu spät geworden. Daher ist es die richtige Entscheidung. Auch die Regelung mit den Auf- und Absteigern ist nachvollziehbar. Zwar ist die Frage, ob sich die Mannschaften, die gegen den Abstieg gespielt haben, nochmals für eine Oberliga-Saison aufstellen können, aber das ist ja jedem Verein selbst überlassen.“

Die endgültige Platzierung seiner Truppe spielt für Naumann gar keine Rolle: „Ob man nun Zweiter oder 14. wird, das ist mir völlig egal.“ Für die SG Achim/Baden ist es ein Platz dazwischen geworden. Punktgleich mit dem VfL Fredenbeck schließt die SG die Saison auf Platz neun ab. Die beiden Duelle gingen an den VfL.

In der Abschlusstabelle der Verbandsliga belegt der TSV Daverden Rang sieben, unabhängig von der Quotientenregelung. Coach Ingo Ehlers hatte bereits kurz nach der Bekanntgabe der HVN-Entscheidung einen gedanklichen Haken hinter die Saison gemacht. „Das ist das Vernünftigste, die Gesundheit steht über allem. Auch die Regelung ist eine gute, alles andere wäre etwa für Oyten eine Katastrophe gewesen.“

Auch die Damenmannschaften des TV Oyten II und des TSV Intschede sind von der Quotientenregelung nicht betroffen. Beide Teams hätten ihre Klassen ohnehin gehalten und schließen ihre Spielzeiten auf den Rängen zehn und sechs ab. Beide Mannschaftsverantwortliche waren für ein Statement telefonisch nicht zu erreichen.Weitere Geduld in den RegionenDie Entscheidung vom Mittwochabend gelte für alle Spielklassen des Handball-Verbandes Niedersachsen. Hüdepohl: „Wir empfehlen jetzt unseren selbstständigen Regionen, genauso vorzugehen.“ Das bedeutet wiederum für andere kreisverdener Mannschaften, dass sie sich noch in Geduld üben müssen – auch wenn allgemein angenommen wird, dass die Regionen sich der HVN-Entscheidung anschließen werden. Das betrifft unter anderen die Damen des TSV Morsum, die in der Landesklasse derzeit den zweiten Aufstiegsrang einnehmen. Sollte die Quotientenregelung des HVN übernommen werden, kehren die Morsumerinnen in die Landesliga zurück. 

Die Handballerinnen des TV Oyten müssen sich ebenfalls noch gedulden, da die 3. Liga in die Zuständigkeit des DHB fällt. Dieser hatte seine Entscheidung am 3. April vorerst nochmals aufgeschoben.

Zudem gab der HVN bekannt, dass er den Meldeschluss für die Saison 2020/2021 voraussichtlich auf den 15. Mai festsetzen wird. Den Termin für den Beginn der Qualifikation im Jugendbereich werde auf eine Zeit nach den Sommerferien verschoben. Den Modus und die Staffeleinteilungen und -größen für die Qualifikation und die Saison werde man schnellstmöglich bekannt gegeben.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Patrick Hilmes

11.04.2020, 11:23 Uhr Presseberichte