Oytens Handball-Chef im Interview

Seit einem Jahr ist Daniel Moos nun Leiter der Handballsparte beim TV Oyten. Nun zieht er eine Bilanz seiner bisherigen Amtszeit



Daniel Moos (Mitte) ist glücklich, dass Lars Müller-Dormann (links) und Marc Winter sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen des TV Oyten gute Arbeit leisten und dies auch in der kommenden Saison fortsetzen wollen. (TV Oyten)

Herr Moos, Sie sind jetzt seit einem Jahr Spartenleiter bei den Handballern des TV Oyten. Wie würden Sie die erste Hälfte Ihrer Amtszeit in wenigen Sätzen zusammenfassen?Daniel Moos: Ich würde sagen, es war ein spannendes und turbulentes Jahr. Wir haben doch einige Entscheidungen treffen müssen, die so nicht absehbar waren. Für mich ist es eine neue Herausforderung, die total viel Spaß macht.

  Eine Entscheidung, die Sie treffen mussten, war die Trennung von Jörg Leyens, der bis Anfang November die Drittliga-Frauen des TVO trainiert hat. Wie schwer ist Ihnen dieser Schritt gefallen? Zumal Sie ja noch nicht lange im Amt waren.

Das ist mir in der Tat schwergefallen. Eben genau aus dem Grund, weil ich noch nicht lange dabei war. Insofern war ich umso dankbarer, dass ich mit Matthias Mosel (2. Vorsitzender, Anm. d. Red.) und Helmut Kuhn (Kassenwart, Anm. d. Red.) zwei Vorstandskollegen habe, die über weitaus mehr und langjährige Erfahrung verfügen. Sie haben mich da unterstützt. Denn wir arbeiten als Team zusammen. Das ist mir sehr wichtig. Letztlich ist es ein schleichender Prozess gewesen. Man hat gemerkt: Mensch, jetzt muss etwas passieren. Man überlegt aber auch: Ist das der richtige Weg? Diesen Automatismus kennt man aus dem Sport. Wir haben uns lange gegen eine Trennung gewehrt. Haben dann aber festgestellt, dass es das Beste ist, das Gespräch zu suchen und zu überlegen, was das Beste für die Mannschaft ist.

Welche Fehler wurden denn bereits im Sommer vor der Saison gemacht, dass die Frauen in der 3. Liga in den Abstiegskampf gerutscht sind?
Fehler kann man, glaube ich, eigentlich gar nicht sagen. Wir haben aber Schwierigkeiten gehabt. Schon in den letzten Jahren wurde es immer schwieriger, eine Mannschaft zusammenzustellen. Das hat im Sommer für Schwierigkeiten gesorgt. Denn wir mussten für zwei Mannschaften planen. Die zweite Frauen spielt in der Oberliga ja auch hochklassig. Beides adäquat zu besetzen, hat sich wie ein roter Faden durch die Saison gezogen. Wir haben lange Zeit Probleme gehabt, die Positionen der Torhüterinnen so zu besetzen, dass gut in beiden Teams gearbeitet werden kann. Ich denke, dadurch ist dann diese Kettenreaktion entstanden.

Für das erste Frauen-Team haben Sie die Trainersuche schnell beendet, weil intern eine Lösung gefunden wurde. Wie ist die Idee entstanden, Marc Winter und Lars Müller-Dormann als Trainerduo zu installieren?
Die ist letztlich in Gesprächen entstanden. Wir sind im Vorstand gefordert gewesen, um zu entscheiden, wie wir uns aufstellen wollen. Wir haben von den beiden dann relativ schnell die Bereitschaft signalisiert bekommen, dass sie einspringen, bis wir eine Lösung gefunden haben. Damals war die Zielrichtung, dass die beiden es bis Ende des Jahres machen. Dann kristallisierte sich in der folgenden Zeit aber heraus, das könnte langfristig werden.

Sie sprechen es an: Mittlerweile wurde mit den beiden Trainern, die ja auch noch die Landesliga-Herren des TVO coachen, verlängert. Das zeigt ja auch, dass der Verein und die Mannschaften mit der Arbeit der beiden zufrieden sind.
Die Mannschaften sind sehr zufrieden. Wir bekommen auch die Signale, dass es funktioniert, zwei Teams auf diese Art und Weise zu betreuen

.Gab es anfangs denn Befürchtungen, dass die Aufgaben für Winter und Müller-Dormann zu viel werden könnten?
Natürlich haben wir uns Gedanken gemacht, ob es auf diesem Niveau zu viel wird. Aber das haben wir mit beiden sauber besprochen. Auch die Trainer haben sich ihre Gedanken gemacht. Doch wenn letztendlich die beiden der Meinung sind, dass sie es zeitlich bewerkstelligen können, dann gehen wir den Weg.

Kommen wir den zu den Männern: Bei diesem Team läuft es seit Saisonbeginn rund. Aktuell ist der TV Oyten in der Landesliga Tabellenführer. Momentan ist wegen des Coronavirus der Spielbetrieb auf Eis gelegt. Niemand weiß, wie die Saison weitergeht oder gewertet wird. Das Ziel ist aber sicherlich, dass die erste Herren kurzfristig in die Verbandsliga aufsteigt, richtig?
Natürlich. Das ist unser Wunsch, so wie die Saison bislang gelaufen ist. Die Jungs sind auch alle heiß drauf. Es ist unser Ziel, den Aufstieg anzupeilen.

Jetzt habe ich das Thema Corona schon erwähnt. Was ist Ihnen so durch den Kopf gegangen, als der Spielbetrieb vom Verband Mitte März ausgesetzt wurde?
Das ist eine schwierige Aufgabe. Ich befasse mich beruflich im Rathaus ja auch mit dem Thema. Daher wusste ich schon länger, was da kommt. Man hat sich da ja mit den Entscheidungen auf den oberen Ebenen zunächst schwergetan. Was das Sportliche angeht, habe ich gedacht, dass es für die Herren ärgerlich ist. Die haben einen guten Lauf gehabt. Meine Hoffnung ist daher, dass wir irgendwann die Saison fortsetzen können. Jetzt muss aber in den Gremien entschieden werden, wie es weitergeht. Und diese Entscheidungen werden wir dann akzeptieren müssen. Da bleibt uns nichts anderes übrig. Es wird bei der Sache aber wohl Gewinner und Verlierer geben.

Befürchten Sie als Spartenleiter in der aktuellen Situation einen Mitgliederrückgang beim TV Oyten? Schließlich können die Sportler für einen ungewissen Zeitraum ihren Sport nicht ausüben.
Das haben wir momentan nicht im Fokus. Und das befürchte ich aktuell auch nicht. Ich glaube schon, dass wir ganz gut vernetzt sind – auch die Trainer mit den Mannschaften. Die Kontakte bestehen da weiter, damit keine Leuten verloren gehen. Aber es ist natürlich auch eine Frage, wie lange sich das Ganze jetzt hinzieht.

Also ist die Handballsparte beim TV Oyten voll intakt?
Das kann man so sagen. Wir sind gut aufgestellt, haben gute Teams und tolle Trainer, die sich engagieren. Es gibt aber auch andere Risiken. Wir wissen jetzt noch gar nicht, was für finanzielle Auswirkungen die Geschichte für die „Vampires“ hat. Wir müssen natürlich darauf gucken, wie es unseren Sponsoren geht. Und auch in anderen Bereichen haben wir derzeit keine Einnahmen. Das muss aber mit dem Hauptverein besprochen werden. Das betrifft nicht nur uns Handballer, sondern alle Abteilungen.

Abteilung ist das richtige Stichwort, um zu Ihnen zurückzukommen. Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich vor einem Jahr zur Wahl gestellt haben?
Das ist entstanden, weil meine Töchter schon seit vielen Jahren beim TV Oyten Handball spielen. Ich komme selbst nicht aus der Abteilung und habe selbst nie Handball gespielt. Ich bin also eher ein Quereinsteiger. Matthias Mosel und andere Handballer kenne ich aber schon sehr lange, weil wir zusammen Sport treiben. Irgendwann kam dann das Thema auf, dass ein Nachfolger für Ralf Schulz gesucht wird. Er wollte kürzer treten und hat sehr viel bewirkt. Jetzt arbeitet er im Hintergrund weiter. Ich habe mich dann überreden lassen (schmunzelt).

Und bisher haben Sie es scheinbar nicht bereut, dass Sie sich haben überreden lassen...
Überhaupt nicht. Es macht total Spaß, immer wieder vor neue Aufgaben sowie Herausforderungen gestellt zu werden und das Gefühl zu haben: Wir entwickeln uns immer weiter

.Und die Herausforderungen, die jetzt für alle Lebensbereiche anstehen, könnten kaum größer sein...
Ja, das Thema Corona überlagert natürlich alles. Daneben haben wir – so geht es allen anderen aber auch – noch das Problem, immer wieder Trainerinnen und Trainer zu finden. Dann soll der Jugendbereich so am Laufen gehalten werden, wie es aktuell ist. Und dann ist da ja auch noch die Einbindung von Ehrenamtlichen. Das sind so die Baustellen, die wir aktuell haben.

 Zur Person

Daniel Moos ist Leiter der Handballsparte beim TV Oyten. Vor einem Jahr ist er in das Amt gewählt worden und trat die Nachfolge von Ralf Schulz an. Beruflich ist er in der Oytener Verwaltung als Fachbereichsleiter tätig.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

01.04.2020, 18:12 Uhr Presseberichte