Der bescheidene Erfolgsbringer

Jörg Leyens führt den TV Oyten in die Spitze der 3. Liga West und lobt den Zusammenhalt seines Teams.

Oyten. Neuer Trainer, neue Staffeleinteilung. Diese beiden Aspekte haben vor der Saison eine Frage bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten aufgeworfen. Was kommt auf das Team in den kommenden Monaten überhaupt zu? Der TVO – jahrelang der Nordstaffel der 3. Liga zugehörig – wurde vom Deutschen Handballbund in den Westen gesteckt. Zudem hatte sich Sebastian Kohls als Trainer verabschiedet. Jörg Leyens wurde sein Nachfolger.

Jetzt – nach zwölf Spielen und am Ende des Jahres 2018 – lässt sich die Frage beantworten. Mit der neuen Staffel und dem neuen Trainer ist der Erfolg auf die „Vampires“ zugekommen. Derzeit steht der TV Oyten auf Platz drei. Der Abstand zum Tabellenführer HSV Solingen-Gräfrath, der kurz vor Weihnachten vom TVO demontiert wurde (wir berichteten), beträgt lediglich drei Punkte.

Dass die Leyens-Sieben in der Weststaffel eine solch gute Rolle spielt, ist keineswegs selbstverständlich: Der Kader des TV Oyten ist recht klein. Nach der Spielzeit 2017/2018 haben neben Coach Kohls wichtige Akteure das Team verlassen – unter anderem ging mit Jacqueline Nowak, Liv Süchting und Kea Drewes eine komplette Rückraumreihe. Und wie Jörg Leyens mit seiner neuen Mannschaft zurechtkommt, musste ebenfalls abgewartet werden. Nun ist jedoch gewiss: Der Trainer macht sehr viele Dinge richtig. Trotz des aktuellen Erfolgs – der TVO ist seit acht Spielen ungeschlagen – bleibt Jörg Leyens aber bescheiden. Er will sich nicht in den Vordergrund drängen: „Welchen Anteil ich an unseren guten Leistungen habe, das sollen andere beurteilen.“



Jörg Leyens hat vor dieser Saison den TV Oyten übernommen und liefert mit seinem neuen Team bis dato eine gute Arbeit ab.

 Doch bei aller Zurückhaltung des Trainers steht auch eines fest. Viel hat Jörg Leyens in den zurückliegenden Monaten nicht falsch gemacht. Das zeigen die Zahlen. Die sprechen allesamt für eine gute Arbeit des Coaches. Die kurze Winterpause verbringen die „Vampires“ auf dem dritten Platz. Nur der HSV Solingen-Gräfrath (20 Punkte) und der SV Germania Fritzlar (19) haben bisher mehr Zähler auf der Habenseite als der TV Oyten (17). Mit dem Resultat nach zwölf Partien hat der TVO fast schon seine Punktebilanz aus der Vorsaison erreicht. Die Serie 2017/2018 schlossen die Oytenerinnen mit 19:25 Punkten auf Rang sieben der Nordstaffel ab. Bemerkenswert ist das aktuelle Abschneiden des Drittliga-Meisters von 2017 auch deshalb, weil Jörg Leyens mit einem sehr kleinen Kader arbeiten muss. Die Folge: Leistungsträgerinnen wie Denise Engelke, Lisa Bormann-Rajes oder Jana Kokot stehen in fast jeder Begegnung 60 Minuten auf dem Feld. „Das Training versuche ich sehr abwechslungsreich zu gestalten“, sagt Leyens. „Ein ganz wichtiger Bereich ist bei uns aber die Regeneration.“ Diese sei bei seinem kleinen Kader unverzichtbar. „Bislang hatten wir außerdem das Glück und wurden von größeren Verletzungen verschont“, freut sich der Trainer über einen weiteren Aspekt des erfolgreichen Saisonverlaufs. Eine Sache, die der Trainer immer wieder betont, will er zudem nicht unerwähnt lassen: „Wir haben mit Romina Kahler und Bryana Newbern das stärkste Torhüter-Duo in unserer Liga.“

Der für ihn wichtigste Punkt sei jedoch der Zusammenhalt, der seine Sieben so stark mache. „Unsere Stärke resultiert aus unserer Fähigkeit, als echtes Team aufzutreten“, meint Jörg Leyens. „Dafür benötigt man natürlich die richtigen Leute. Ich habe schon viele Mannschaften trainiert. Der Zusammenhalt in diesem Team ist da im Vergleich schon Extraklasse. Das Zusammenspiel zwischen den jüngeren und älteren Spielerinnen funktioniert. Es gibt bei uns eine sehr gesunde Hierarchie.“Darüber hinaus verfügt der TV Oyten der Saison 2018/2019 über eine sehr große Moral. Unter den zwölf Spielen waren nämlich so einige, in denen die „Vampires“ hohe Führungen abgaben, sich dann aber doch noch durchsetzten oder andersherum deutliche Rückstände aufholten und nach 60 Minuten jubelten. Wirklich schwach – und folgerichtig auch verloren – hat die Leyens-Sieben bislang nur im Heimspiel gegen Borussia Dortmund II agiert. Mit 26:35 musste sich der TVO der Bundesliga-Reserve an Spieltag Nummer vier geschlagen geben. Es folgte eine weitere Schlappe in Fritzlar.

Plötzlich stand das Team mit 2:6 Punkten da und war der Abstiegszone nahe. Doch der TV Oyten begann am sechsten Spieltag damit, seine Erfolgsserie aufzubauen. Es fehlte nicht viel und der TVO hätte die vergangenen acht Spiele sogar allesamt verloren. Weil dem Team im Heimspiel gegen den VfL Oldenburg aber die Luft ausging, musste sich Leyens mit einem 25:25 zufrieden geben. Wenn Jörg Leyens nun über die weiteren Ziele spricht, tritt die gleiche Eigenschaft hervor, wenn er über seinen Verdienst des Erfolgs spricht: Bescheidenheit. „Es kann noch so viel passieren. Daher fahren wir besser, wenn wir von Spiel zu Spiel zu denken“, kündigt Jörg Leyens an.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

31.12.2018, 17:53 Uhr Presseberichte