Entscheidung vertagt

TV Oyten behält nach dramatischer Schlussphase die Chance auf die Meisterschaft in der eigenen Hand

Oyten. Die Suche nach dem neuen Meister in der 3. Handball-Liga der Frauen geht weiter: Im Topspiel zwischen dem TV Oyten und dem SV Henstedt-Ulzburg hat es am Sonntag keinen Sieger gegeben. Der TVO spielte zu Hause 30:30 (13:15) gegen den Tabellenzweiten. Oyten bleibt durch den Punktgewinn Spitzenreiter und kann nun am letzten Spieltag sein Meisterstück machen – und zwar mit einem Sieg beim abstiegsbedrohten HSV Minden-Nord.

Das Unentschieden ist in der rappelvollen Oytener Pestalozzihalle allerdings auf dramatische Art und Weise zustande gekommen. Ein Krimiautor hätte die Schlussphase nicht besser schreiben können. Denn rund 60 Sekunden vor dem Abpfiff glaubte wohl kaum einer der 300 Zuschauer, dass der TV Oyten seine Tabellenführung behalten sollte. Die Gäste, die sich über die gesamten 60 Minuten als unangenehmer und gleichwertiger Gegner präsentierten, führten zu diesem Zeitpunkt mit zwei Toren: Katharina Rahn hatte Oytens Verfolger zum 30:28 geworfen. Alles deutete darauf hin, dass die „Vampires“ ihren Spitzenplatz dem Gast – den sogenannten Frogs – überlassen müssen. Doch die Ereignisse sollten sich fortan überschlagen. Zunächst vergab Oytens Denise Engelke einen Wurf. Die Uhr tickte runter. Henstedt schaffte es aber nicht, die Zeit herunterzuspielen. Jacqueline Nowak eroberte den Ball und traf 17 Sekunden vor dem Abpfiff zum 29:30.

Wieder wollte der Tabellenzweite den Ball bis zur Schlusssirene in den eigenen Reihen behalten. Erneut misslang das Vorhaben. Als sich der TVO das Spielgerät geschnappt hatte, waren aber nur noch drei Sekunden auf der Uhr. Zudem war die Sieben von „Vampires“-Coach Sebastian Kohls weit vom gegnerischen Tor entfernt. Rahn, die wenige Augenblicke zuvor mit ihrem Treffer glänzte, sollte zur tragischen Figur werden. Denn an der Mittellinie foulte sie Nowak rüde. Regelkonform sah sie die Rote Karte und Oyten bekam einen Siebenmeter zugesprochen. Da sich Nowak zu einem Nachschlagen hinreißen ließ, sah auch sie den Roten Karton.

Nun blickten Spieler, Zuschauer und Trainer auf zwei Frauen: Für den TV Oyten sollte Jana Kokot den Siebenmeter ausführen. Im Kasten der Gäste stand Franziska Nikolaus, die bereits zwei Siebenmeter der Gastgeberinnen pariert hatte. Die ehemalige Zweitligaspielerin Kokot bewies aber, dass sie Nerven aus Stahl besitzt. Kompromisslos warf sie das Spielgerät ins Tor. Das Unentschieden war gerettet. Der TV Oyten hat den Gewinn der Meisterschaft weiterhin selbst in der Hand.

Während die „Vampires“ den Punktgewinn wie einen Sieg feierten, rollten beim ASV Henstedt-Ulzburg die Tränen. Schließlich ist das Team nun auf Mindener Schützenhilfe angewiesen und muss selbst gegen den starken Aufsteiger HSG Jörl-Doppeleiche Viöl gewinnen.

Kohls atmete nach dem Drama tief durch. Ihm war bewusst, dass die Tabellenführung mehr als auf der Kippe stand. „Wir haben nicht unser allerbestes Spiel gemacht“, sagte der Trainer. „Beide Teams hatten gute und schlechte Phasen. Wir hatten unsere schwierige Phase vor allem ab der 45. Minute.“ Aus einem 21:24-Rückstand machte Henstedt innerhalb weniger Minuten eine 26:25-Führung. Mit viel Einsatz und ein wenig Glück kam der TVO aber wieder zurück.

Unterdessen erklärte Sebastian Kohls, dass der TV Oyten auch bei einem Titelgewinn in der neuen Saison in der 3. Liga spielen will. Das Trainerteam, die Spielerinnen und der Verein verständigten sich darauf, das Aufstiegsrecht in die Zweite Bundesliga nicht wahrzunehmen. Darüber hinaus wird Kim Pleß in Minden ihr letztes Spiel für die Kohls-Sieben absolvieren. Sie hat – auch dank Jana Kokot – die Chance, sich mit der Meisterschaft zu verabschieden.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

24.04.2017, 00:09 Uhr Presseberichte