Tschüss, Romina!

Torhüterin Kahler steht vor ihrem letzten Heimspiel mit den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten


Romina Kahler war über viele Jahre die feste Größe im Tor des TV Oyten. Jetzt ist für Kahler allerdings die Zeit gekommen, Abschied vom TVO zu nehmen. (Foto: Björn Hake)

Es ist eine Tradition bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten: Seit vielen Jahren wird beim letzten Saisonheimspiel noch einmal richtig dick aufgefahren – und zwar, um die Spielerinnen gebührend zu verabschieden, die den Klub verlassen. Romina Kahler hat dieses Prozedere schon häufig miterlebt. Allerdings stand sie dabei nie im Mittelpunkt. Das ändert sich am Sonntag. Kahler bestreitet ihr letztes Heimspiel (Anpfiff um 16.30 Uhr) im Trikot mit dem Vampir auf der Brust. Nach elf Jahren verlässt sie den TV Oyten. Die Partie gegen den HC Chemnitz – für den TVO ist es die zweite Begegnung in der Drittliga-Abstiegsrunde – ist jedoch für die gesamte Mannschaft eine besondere. Denn die „Vampires“ können den Abgang in die Oberliga nur noch theoretisch verhindern. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist das Duell mit Chemnitz das vorerst letzte Drittligaspiel in der Pestalozzihalle.

Die Gefühle vor ihrem letzten Spiel vor dem eigenen Anhang beschreibt Romina Kahler als „gemischt“. Traurig stimme sie, dass die Begegnung für den TVO wohl das vorerst letzte Drittligaspiel in der Pestalozzihalle ist. „Wobei der Abstieg ja noch nicht zu 100 Prozent feststeht“, hegt die 28-jährige Torhüterin noch einen kleinen Funken Hoffnung. Auf ihr Abschiedsspiel konnte sich Romina Kahler hingegen lange vorbereiten. Ihr Entschluss, den TV Oyten zu verlassen, hat sie schon vor einigen Monaten gefällt. „Das war im Januar“, sagt sie. „Damals war der Abschied noch so weit weg. Jetzt ist die Zeit doch so schnell vergangen. Dass es nun so weit ist, ist mir noch gar nicht so richtig bewusst.“

Die Gründe für den Abgang seien vielschichtig. Zum einen hatte sie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit Verletzungspech zu kämpfen. Darüber hinaus habe sie während der Hochphase der Corona-Pandemie beruflich einige Grenzerfahrungen erlebt. Und dann ist da zu guter Letzt noch die Pendelei. Seit nun elf Jahren macht sie sich mehrmals in der Woche aus der Gemeinde Dötlingen auf den Weg nach Oyten. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer da zusammenkommen. Das müsste man eigentlich mal ausrechnen“, sagt Romina Kahler schmunzelnd. Sie sei zudem froh, dass ihre Familie und ihr Freund sie trotz des großen Aufwandes über die gesamte Zeit beim TVO unterstützt haben.

Als 17-Jährige nach Oyten

Die verschiedenen Aspekte tragen allesamt zu ihrer gut überlegten Entscheidung bei. „Ich habe aber bewusst gesagt, dass ich eine Pause einlegen will“, macht Romina Kahler deutlich, dass der Abschied aus Oyten kein endgültiger Abschied vom Handball sein muss. Wenn es die Situation zulässt, könne sie sich durchaus eine Rückkehr ins Tor verstellen. Auch beim TV Oyten? Ausschließen will sie dies nicht. „Es kann ja immer viel passieren“, sagt sie. Genauso sei für sie aber auch ein Engagement bei dem Verein vorstellbar, von dem sie damals zum TV Oyten gewechselt war: der TV Neerstedt.

Vor der Saison 2011/2012 hatte sie den Entschluss gefasst, die Grün-Weißen zu verlassen, um den nächsten Schritt in ihrer Laufbahn zu vollführen. Damals war Romina Kahler 17 Jahre alt. Die Anfrage kam von Oytens damaligem Coach Sebastian Kohls. „Ich hatte da noch gar keinen Führerschein. Gut, dass auch Cordula Schröder-Brockshus aus Neerstedt nach Oyten gewechselt ist. Sie konnte mich damals immer mitnehmen“, erinnert sich Romina Kahler.

Ihren ersten Auftritt für den TV Oyten hatte Romina Kahler im Juni 2011 beim Tag der Handballjugend. Damals wusste sie gleich zu überzeugen und sagte nach dem Turnier, dass sie sich bei den „Vampires“ weiterentwickeln wolle. Jetzt – etwas mehr als eine Dekade später – kann sie von sich behaupten, dass ihr das gelungen ist. „Obwohl ich in meinem ersten Jahr in Oyten noch A-Jugendliche war, hat mich Sebastian Kohls in der 3. Liga bei der ersten Frauen eingesetzt. Ich habe schon zu dieser Zeit unheimlich viel dazugelernt und über die Jahre von den verschiedenen Torwarttrainern ohnehin“, blickt sie zurück.

Mit Sebastian Kohls als Trainer feierte sie außerdem die größten Erfolge in Oyten. Vor allem sind die beiden Meisterschaften 2013 und 2017 zu nennen. Besonders im Gedächtnis ist Romina Kahler das letzte Heimspiel der Serie 2016/2017 gegen den SV Henstedt-Ulzburg geblieben. Henstedt ging damals als Zweiter in das Duell, Oyten als Tabellenführer. Für Kahler und Co. ging es darum, die Tabellenführung zu verteidigen.

Kurz vor dem Abpfiff führten aber die Gäste mit 30:29. Drei Sekunden vor dem Ende der Partie bekamen die Oytenerinnen jedoch einen Siebenmeter zugesprochen. Alle blickten damals auf Jana Kokot, die den Siebenmeter ausführen sollte. Sie traf. Der TVO hatte noch einen Punkt geholt und eine Woche später die Meisterschaft perfekt gemacht. „Wenn ich an den Siebenmeter von JK denke, bekomme ich noch heute eine Gänsehaut“, denkt Romina Kahler immer wieder gerne an diesen Moment zurück.

Jana Kokot verwandelte im letzten Heimspiel der Saison 2016/2017 einen enorm wichtigen Siebenmeter für den TV Oyten. Romina Kahler schaute damals gespannt zu. (Foto: Björn Hake)

Ohnehin habe sie sich bei den „Vampires“ stets wohlgefühlt. Auch aus diesem Grund habe sie Angebote anderer Vereine stets abgelehnt. Eine Sache hätte sie mit dem TV Oyten jedoch gerne erlebt. „Es ist schade, dass ich mit dem Verein nie in der 2. Bundesliga gespielt habe“, sagt sie.

Dennoch hat sie jeden Moment im Tor des TVO genossen sowie viele Verabschiedungen miterlebt. Nun steht sie dabei selbst im Mittelpunkt. Und mit dem immer näher rückenden Abschied wird ihr eine Sache bewusster: „Nach dem letzten Heimspiel gegen Chemnitz wird bestimmt die eine oder andere Träne fließen.“

INFO

Für den Klassenerhalt muss alles passen 

Die Chance auf den Klassenerhalt ist für den TV Oyten nur noch winzig klein. „Im Hinterkopf ist es aber schon, dass es noch möglich ist“, sagt TVO-Coach Lars Müller-Dormann vor dem Heimspiel gegen den HV Chemnitz. Damit der TVO die Liga hält, müssen tatsächlich viele Dinge zusammenkommen: Die „Vampires“ müssen ihre drei letzten Spiele in der Abstiegsrunde gewinnen. Das Duell bei Pfeffersport Berlin muss Oyten nach der 30:36-Heimspielniederlage außerdem mit mehr als sechs Toren Unterschied für sich entscheiden, um dadurch im direkten Vergleich besser zu sein. Gleichzeitig dürfen die Berlinerinnen auch aus ihren drei weiteren Spielen keinen einzigen Punkt mehr holen. Obendrein muss Chemnitz am 22. Mai gegen den TSV Altenholz siegen. Die ganze Rechnerei kann sich allerdings bereits am Sonnabend erledigen, wenn Pfeffersport Berlin in Vechta punktet. Trotz des sehr wahrscheinlichen Abstiegs in die Oberliga, wolle die Sieben gegen Chemnitz alles geben. „Wir wollen uns noch einmal besser präsentieren als zuletzt. Wir sollten unsere Hausaufgaben machen. Und mit einem Sieg lassen sich die anstehenden Abschiede auch viel besser feiern“, sagt Müller-Dormann, der selbst verabschiedet werden soll. Er und sein Trainerkollege Marc Winter sollen sich in der neuen Saison nur noch auf die Männer des TVO konzentrieren, die um den Oberliga-Aufstieg kämpfen.

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Florian Cordes

13.05.2022, 14:37 Uhr Presseberichte