Wie eine Schachtel Pralinen

Die Vorbereitung endet zeitnah für die Frauen des TV Oyten. Sie starten am Sonnabend in eine Liga, die in dieser Saison schwer einzuschätzen ist. Fest steht: Die "Vampires" wollen mindestens Sechster werden.
Lena Janssens (links) und Lotta Heinrich (rechts) haben die Qualität im Kader erhöht – zur Freude von Coach Lars Müller-Dormann. (Foto: Björn Hake)

Schon Forrest Gump hat es gewusst: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man kriegt." Dieses weltberühmte Filmzitat kann – leicht abgewandelt – in diesem Jahr durchaus auf die sechs Staffeln der 3. Handball-Liga der Frauen bezogen werden. Insbesondere auf die Staffel A, in der der TV Oyten antritt. Die Spielklasse ist in dieser Saison die von Forrest Gump erwähnte Schachtel Pralinen. Und wer am Ende wo in der Tabelle landet, ist nach der langen Corona-Pause kaum vorherzusehen. So denkt auch Oytens Trainer Marc Winter: "Die ganze Liga ist eine große Wundertüte."

Dass die Trainer vor dem Auftakt nach den Favoriten in ihrer Liga gefragt werden, gehört zur Routine – genauso wie die Antworten der Trainer. Doch Marc Winter will in diesem Jahr nur ungern eine Antwort auf diese Frage geben. Derzeit – wenige Tage vor dem ersten Spieltag – seien noch zu viele Unwägbarkeiten vorhanden. "Eine Prognose, wer als Favorit in die Saison geht, kann nicht abgegeben werden", findet der Coach der "Vampires" aus Oyten. "Natürlich hat man geschaut, wie sich die Teams verändert haben. Aber alle sind nun so lange raus aus dem Spielbetrieb, da ist die Lage einfach sehr schwierig einzuschätzen."

Das letzte Pflichtspiel, das der TV Oyten in der 3. Liga absolviert hat, liegt nun schon fast ein Jahr zurück: Am 31. Oktober verlor der TVO bei Pfeffersport Berlin. Überhaupt trugen die "Vampires" in der Saison 2020/2021 nur drei Spiele aus – eines davon vor leeren Rängen in der Pestalozzihalle. Nach der Partie in der Hauptstadt wurde der Spielbetrieb zunächst ausgesetzt, Anfang 2022 wurde die Saison wegen der Pandemie schließlich komplett eingestampft. Es ist also besonders das Coronavirus, das zu den aktuellen Unwägbarkeiten vor dem Neustart beiträgt.

Komplett neuer Modus

Der TV Oyten muss sich aber nicht nur auf eine ausgeglichene Staffel einstellen, sondern zudem auf einen komplett neuen Modus. In der Saison 2021/2022 treten in der 3. Liga der Frauen insgesamt 70 Mannschaften an. Diese sind in sechs Staffeln unterteilt. Am Ende sollten drei Klubs in die zweite Bundesliga auf- sowie satte 22 Teams in die Oberliga absteigen. Denn der Deutsche Handball-Bund plant, dass in der Saison 2022/2023 insgesamt 60 Mannschaften in Liga drei an den Start gehen sollen.

Doch zunächst gilt die volle Konzentration der Spielzeit 2021/2022. In ihrer Staffel treffen die Frauen aus Oyten auf den Buxtehuder SV II, BV Garrel, HG OKT, HSG Mönkeberg-Schönkirchen, SFN Vechta, Sportclub Alstertal-Langenhorn, SV Henstedt-Ulzburg, TSV Altenholz, TSV Wattenbek, VfL Oldenburg sowie den SV Werder Bremen II. Gespielt wird eine Doppelrunde. Danach muss die Saison aber keineswegs vorbei sein: Denn die jeweils Erst- und Zweitplatzierten nehmen – sofern sie dafür gemeldet haben – an der Aufstiegsrunde teil. Zweite Mannschaften sind von dieser Runde ausgeschlossen. Zudem können die Teams, die in der Vorrunde auf den Rängen eins bis sechs einlaufen, freiwillig an einem sogenannten Ligapokal teilnehmen

Laura Sposato gehört bei den "Vampires" zu den neuen Gesichtern. (Foto: Björn Hake)

Ungemütlich wird es hingegen für die Mannschaften, die die Vorrunde auf den Plätzen sieben bis elf beziehungsweise zwölf beendet haben. Von Freiwilligkeit ist dann keine Rede mehr. Diese Teams müssen in der Abstiegsrunde um den Verbleib in der 3. Liga kämpfen. Diese Runde, an der kein Team teilnehmen will, wird  in vier Gruppen mit je sechs Teams und zwei Gruppen mit je fünf Mannschaften unterteilt. Die jeweils Erst- und Zweitplatzierten lösen das Drittliga-Ticket für die Serie 2022/23. Der Rest geht runter in die Oberliga. Genau das will Marc Winter mit seinem Trainerkollegen Lars Müller-Dormann unbedingt vermeiden. "Wir wollen – wie wohl jeder unserer Gegner – in der Staffel mindestens Sechster werden", gibt Marc Winter ein erstes Saisonziel aus.

Verstärkung aus Bremen

Vor dem Start – der TVO muss am Sonnabend zur Bundesliga-Reserve des Buxtehuder SV – freut sich der Coach noch immer über die Zusammenstellung: "Wir haben schon mal eine tolle Liga bekommen, in der wir nicht in den Osten fahren müssen. Aber es kann eben auch jeder jeden schlagen." Allerdings dürfte der TV Oyten in dieser Serie gute Karten besitzen, um genügend Mannschaften hinter sich zu lassen und der Abstiegsrunde zu entgehen. Zwar haben Elisa Führ, Lea Bertram, Lena Schulz, Mirja Meinke und Franca Jakob das Team verlassen, dank der Zugänge dürfte sich die Qualität aber dennoch erhöht haben.


Platz sechs, dieses Ziel will Marc Winter in der Staffel mindestens erreichen. (Foto: Björn Hake)

Vom SV Werder Bremen sind Lotta Heinrich, Laura Sposato, Kathleen Hertes und Lena Janssens zum TVO gestoßen. Darüber hinaus hat Madita Woltemade die SG Findorff verlassen und will jetzt in der 3. Liga den nächsten Schritt machen. "Sie muss noch an sich arbeiten, hat aber auf jeden Fall Potenzial", lobt Winter die Rückraumspielerin.

Während die Schwester von Werder-Profi Nick Woltemade wohl noch eine Eingewöhnungsphase benötigt, sollen vor allem die zweitligaerfahrenen Janssens, Sposato und Heinrich den "Vampires" auf Anhieb helfen. Insbesondere ruhen die Hoffnungen auf Lotta Heinrich. Sie soll in der Mannschaft eine Schlüsselrolle einnehmen, erwähnt Winter: "Lotta hat Wurfkraft ohne Ende. Ihre Würfe muss eine Keeperin aus acht Metern erst einmal abwehren. Allerdings muss sie in ihren Aktionen noch ruhiger werden." In diesem Bereich habe die Rückraumspielerin während der Vorbereitung aber schon große Fortschritte gemacht. Winter: "Durch alle Zugänge sind wir nun aber noch variabler aufgestellt und sind auf jeder Position mindestens doppelt besetzt."

Ausfälle erschweren Vorbereitung

Apropos Vorbereitung: Die vergangenen Wochen seien wie im Flug vergangen, findet Winter. Größtenteils ist er auch mit seinem Team zufrieden. Nicht alle Testspiele verliefen für die "Vampires" optimal, das Team habe sich aber stetig gesteigert. "Leider haben uns – gerade im Schlussspurt der Vorbereitung – immer wieder Spielerinnen urlaubsbedingt gefehlt. Das ist vor allem für die Formkurve ärgerlich", sagt Winter. "Vom Gefühl her haben wir kaum mit dem kompletten Kader gespielt."

Dennoch habe das Team das große Potenzial, das in ihm schlummere, immer wieder aufblitzen lassen. "Zurzeit sind wir noch nicht da, wo wir leistungsmäßig hin wollen", gesteht der "Vampires"-Coach. "Diese erste Sieben, die richtig gut eingespielt ist, haben wir aktuell noch nicht. Aber das wird in drei Wochen schon ganz anders aussehen." Insgesamt sieht Marc Winter die Truppe des TV Oyten aber auf einem guten Weg, damit sie in der Staffel A der 3. Liga – diese Schachtel gefüllt mit Pralinen – eine gute Rolle spielen kann.


Info
Kader
Zugänge: 
Madita Woltemade (SG Findorff), Laura Sposato, Lena Janssens, Lotta Heinrich, Kathleen Hertes (alle SV Werder Bremen)
Abgänge: 
Elisa Führ (VfL Oldenburg II), Franca Jakob, Lea Bertram, Lena Schulz (alle Handballpause), Mirja Meinke (TuS Komet Arsten)
Restkader: 
Romina Kahler, Fenja Hassing, Theresa Beet - Tabea Webner, Anna-Lena Meyer, Ashley Butler, Pia Franke, Nathalie Meinke, Jana Stoffel, Julia Reinefeld, Isabel Schengalz, Emily Winkler, Sabine Peek, Jasmin Johannesmann 
Trainer: Marc Winter
Co-Trainer: Lars Müller-Dormann
Teammanager: Florian Wodarz 
Torwart-Trainer: Sören Böttcher
Mannschaftsarzt: Dr. Matthias Muschol
Physiotherapeutin: Ann-Kathrin Abbes
Saisonziel: Platz sechs in der Staffel A
Favoriten: keine Angabe

Spielplan
04. September: Buxtehuder SV II (A)
19. September: BV Garrel (H)
25. September: HG OKT (A)
10. Oktober: VfL Oldenburg II (H)
16. Oktober: TSV Altenholz (A)
24. Oktober: SV Henstedt-Ulzburg (H)
30. Oktober: HSG Mönkeberg/Schönkirchen (H)
07. November: SC Alstertal-Langenhorn (A)
13. November: SV Werder Bremen II (H)
20. November: SFN Vechta (A)
05. Dezember: TSV Wattenbek (H)
12. Dezember: Buxtehuder SV II (H)
22. Januar: SV Henstedt-Ulzburg (A)
29. Januar: BV Garrel (A)
06. Februar: HG OKT (H)
12. Februar: VfL Oldenburg II (A)
20. Februar: TSV Altenholz (H)
05. März: HSG Mönkeberg/Schönkirchen (A)
13. März: SC Alstertal-Langenhorn (H)
20. März: SV Werder Bremen II (A)
27. März: SFN Vechta (H)
02. April: TSV Wattenbek (A)

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Florian Cordes

01.09.2021, 05:58 Uhr Presseberichte