Die Identifikationsfigur des TV Oyten

Romina Kahler ist beim TV Oyten mittlerweile eine echte Identifikationsfigur. Die Torhüterin geht bereits in ihre zehnte Saison bei den Vampires.

Romina Kahler ist seit vielen Jahren die Stammkeeperin bei den "Vampires" aus Oyten. Die Torhüterin strahlt Ruhe aus und bringt konstant gute Leistungen. (Björn Hake)

Vereinstreue wird im Sport unterschiedlich gelebt. Es gibt Sportler, die oft den Verein wechseln. Dadurch haben sie zwar eine größere Vita, doch wirklich treu sind sie ihren Klubs nicht geblieben. Und dann gibt es die andere Sorte Sportler: Sie sind während ihrer Karriere bei nur wenigen Vereinen aktiv und identifizieren sich voll und ganz mit ihrem Klub. Zu Letzteren gehört Romina Kahler. Die Handballerin hat im Frauenbereich bisher bei genau einem einzigen Verein gespielt – dem TV Oyten. Wenn die Drittliga-Frauen am 17. Oktober beim SV Henstedt-Ulzburg in die neue Spielzeit starten, geht Kahler bereits in ihre zehnte Saison mit den „Vampires“.

Fast ein ganzes Jahrzehnt in Oyten. Dass dieses Szenario eintritt, hätte Kahler bei ihrem Wechsel vom TV Neerstedt damals nicht gedacht. „Das ist schon unglaublich, dass es meine zehnte Saison ist“, gibt die 26-Jährige zu. Einen entscheidenden Anteil daran, dass die Torhüterin sich in jungen Jahren für den TVO entschied, hatte kein Geringerer als der langjährige TVO-Coach Sebastian Kohls. „Er hatte mich gefragt, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte. Das war eine große Herausforderung, der ich mich aber stellen wollte“, erzählt Kahler, die bis zur B-Jugend bei ihrem Heimatverein in Neerstedt gespielt hat.

Als die Torhüterin 2011 zu den „Vampires“ wechselte, war sie noch im zweiten A-Jugendjahr. Trotz ihres jungen Alters kam sie in der Saison 2011/2012 direkt in der dritten Liga zum Einsatz. Eine Saison später erlebte Kahler bereits ihren ersten großen sportlichen Höhepunkt. Der TV Oyten kürte sich zum Drittliga-Meister. „Das war ein unglaublich schöner Erfolg“, erinnert sich die Torhüterin. Dieser Erfolg wurde jedoch getrübt: Kahler riss sich während der Saison das Kreuzband und musste von der Bank zuschauen, wie ihre Mitspielerinnen den Triumph einfuhren.

Diese Verletzung machte Kahler aber nur stärker. Fünf Jahre später folgte der größte sportliche Moment in Kahlers bisheriger Laufbahn: Die Drittliga-Frauen krönten sich erneut zum Meister. Und wer hatte diesmal einen entscheidenden Anteil am Titel? Romina Kahler. Den Triumph erlebte sie als Stammkeeperin auf dem Feld. Auch drei Jahre später sind die Erinnerungen noch da. „Ich weiß noch ganz genau, wie Jana Kokot den entscheidenden Siebenmeter reingemacht hat. Danach haben wir nur noch gejubelt, das war unbeschreiblich“, spricht Kahler das letzte Heimspiel der 2016/2017 an. Damals traf Oyten im letzten Heimspiel auf den damaligen Verfolger SV Henstedt-Ulzburg. Kokot verwandelte den von Kahler genannten Siebenmeter in letzter Sekunde zum 30:30-Endstand. Dadurch blieb der TVO Tabellenführer und machte eine Woche später sein Meisterstück.

Wo Triumphe sind, gibt es aber auch Niederlagen. Gleich mehrere davon kassierten die „Vampires“ in der vergangenen Saison. Die Folge: Coach Jörg Leyens musste seinen Hut nehmen. Auf ihn folgte das Duo Marc Winter/Lars Müller-Dormann. Die Leistungen stabilisierten sich aber nur langsam, der TVO stand dicht vor dem Abstieg in die Oberliga. Da die Saison wegen der Corona-Pandemie vorzeitig beendet wurde und es keine Absteiger gab, blieben die „Vampires“ drittklassig. „Es war eine schwierige Saison. Gegen den Abstieg zu kämpfen, ist nie schön“, sagt Kahler in dem Wissen, dass auch solche Phasen zu einer Karriere dazugehören.

Zum Handball ist Romina Kahler durch ihren Bruder gekommen. „Ich bin immer mitgegangen, wenn er gespielt hat. Dann habe ich bei den Minis zum ersten Mal auf dem Feld gestanden“, erzählt sie. Das Tor war nicht auf Anhieb ihre angestammte Position. „Ich habe mich im ersten Jahr in der C-Jugend mit der Mittelspielerin abgewechselt. Mal bin ich ins Tor gegangen und mal sie. Irgendwann bin ich dann im Tor geblieben“, erinnert sich Kahler. Doch was zeichnet die dienstälteste Spielerin der Vampires aus? Kahler überlegt ein wenig. „Ich strahle Ruhe und Konstanz aus und reagiere relativ schnell. Über die Jahre habe ich viel dazugelernt“, sagt die Torhüterin, die mittlerweile zu einer Identifikationsfigur in Oyten geworden ist.


Jana Kokot trat im letzten Heimspiel der 2016/2017 gegen Henstedt zu einem Siebenmeter an, der den Weg zur Meisterschaft ebnen sollte. (Björn Hake)

Stichwort Lernen: Über ihre Coaches, mit denen sie in neun Jahren bei den „Vampires“ zusammengearbeitet hat, kann Kahler nur Positives erzählen. „Alle Trainer haben etwas für sich“, sagt sie ganz diplomatisch. Dennoch hat sie die Anfangszeit unter Sebastian Kohls geprägt. „Er hat mich gut vorangebracht. Unter ihm hatte ich meine ersten Einsatzzeiten. Nun trägt Sören Boettcher seinen Teil dazu bei“, lobt sie neben ihrem ehemaligen Coach ihren derzeitigen Torwart-Trainer.

In der neuen Saison will Kahler vor allem verletzungsfrei bleiben, um der Mannschaft Stabilität zu geben. „Ich möchte den Mädels den Rücken freihalten, indem ich entscheidende Bälle halte. Ich will nämlich weiter in der dritten Liga spielen“, sagt Kahler selbstbewusst. Dass die neue Saison nicht einfacher wird, weiß auch die 26-Jährige. Mit Jana Kokot, Lisa Goldschmidt und Lisa Bormann-Rajes haben wichtige Eckpfeiler den Klub verlassen, was einen Umbruch nach sich zog. Die neue Spielzeit gehen die „Vampires“ mit jungen Spielerinnen an. „Sie sind auf jeden Fall motiviert. Wir wollen nicht absteigen und uns schnell stabilisieren. Das wird mit der jungen Truppe nicht leicht. Mir macht es aber nach wie vor unglaublich viel Spaß, in Oyten zu spielen“, ist bei Kahler schon eine gewisse Vorfreude auf den Saisonstart da.Wie lange die Torhüterin den „Vampires“ noch erhalten bleibt, vermag sie nicht zu prognostizieren. „Ich hatte die letzten Jahre schon ein paar Anfragen. Ich bin bis aber immer gut damit gefahren hierzubleiben. Ich weiß, was ich an Oyten habe. Das ist eine Handball-Familie, der ich genau wie meiner Familie und meinen Freunden dankbar bin. Dennoch muss man von Jahr zu Jahr gucken“, will sich Kahler nicht festlegen, die nach wie vor in Neerstedt wohnt und zu jedem Training die gut 60 Kilometer nach Oyten fährt.

Nach der aktiven Karriere will die 26-Jährige dem Handball weiter treu bleiben. „Ich habe in Oyten schon die kleinen Handball-Kids trainiert. Es geht in Richtung Co- oder Torwart-Trainer“, soll der Sport auch in Zukunft nicht aus ihrem Leben verschwinden. Bis es so weit ist, will Kahler weiter versuchen, möglichst viele Tore zu verhindern und ihrer Mannschaft damit zu helfen. Das würde auch die Chancen erhöhen, dass die „Vampires“ zukünftig drittklassig spielen – und das mit einer Identifikationsfigur im Kasten.

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Maurice Reding

10.09.2020, 21:09 Uhr Presseberichte