Die Tiefen überwiegen beim TV Oyten

Hinter den Drittliga-Frauen des TV Oyten liegt eine schwierige Saison. Sie stand ganz im Zeichen des Abstiegskampfs

  

Lisa Bormann-Rajes (am Ball) will es noch einmal wissen. Zum zweiten Mal in ihrer Laufbahn wechselt die Linkshänderin zur HSG Blomberg-Lippe. (Björn Hake)

Oyten. Es hätte böse enden können. Die Handballerinnen des TV Oyten standen in der 3. Liga vor dem Abgrund. Ihnen drohte der Abstieg in die Oberliga. Doch dann trat jene Situation ein, die das Geschehen auf dem gesamten Erdball aus den Fugen geraten ließ: die Corona-Pandemie. Die Ausbreitung des Virus hatte auch zur Folge, dass die Saison in der 3. Liga abgebrochen wurde. Oyten steigt daher nicht ab. Nun stehen die von Marc Winter und Lars Müller-Dormann betreuten „Vampires“ vor einer ungewissen Zukunft. Denn es wird sicherlich noch dauern, bis ein normales Handball-Training – geschweige ein geregelter Spielbetrieb – aufgenommen werden kann. Fakt ist jedoch: Winter und Co. wollen gestärkt aus der abgelaufenen Saison hervorgehen, die für den TV Oyten mehr Tiefen als Höhen zu bieten hatte. Ein Rückblick.

Mit schmalem Kader

Dass den „Vampires“ schwierige Monate bevorstehen sollten, deutete sich rasch an – bereits vor dem ersten Anpfiff. Der Grund war die Kaderplanung. Frühzeitig hatte die langjährige Leistungsträgerin Denise Engelke ihren Abschied aus Oyten erklärt. Die Rückraumspielerin wollte es sich selbst noch einmal beweisen und schloss sich dem Zweitligisten SV Werder Bremen an. Die 2. Bundesliga ist jetzt auch das Zuhause von Wiebke Meyer. Die Junioren-Nationalspielerin aus Achim ist nun beim Traditionsklub HC Leipzig aktiv. Auch sie gab ihren Wechsel frühzeitig bekannt. Mit Lena Schulz verließ eine weitere Spielerin, die im rechten Rückraum Akzente setzte, den TV Oyten. Und dann war da noch der Abgang von Bryana Newbern. Die Keeperin wechselte in die Oberliga zum SV Werder Bremen II. Somit blieb dem damaligen Coach Jörg Leyens mit der erfahrenen Romina Kahler nur eine Torhüterin. Mit Elisa Führ und Emily Winkler wurden lediglich zwei externe Spielerinnen nach Oyten gelotst. Dementsprechend ging Leyens mit einem schmalen Kader in die Saison.

Wenige Erfolgserlebnisse

Und dieser Kader war lange Zeit nicht in der Lage, Erfolgserlebnisse einzufahren. Leyens und Co. starteten mit fünf Niederlagen in die Saison. Und gleich im ersten Spiel erlebten die „Vampires“ den großen Schock. Romina Kahler verletzte sich gegen Wattenbek am Knie. Alle Beteiligten befürchteten einen längeren Ausfall. Zu diesem sollte es aber nicht kommen: Kahler musste nur im zweiten Saisonspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg aussetzen. In dieser Begegnung wurde sie von Birte Hemmerich und Fenja Hassing vertreten. Letztere sollte im weiteren Saisonverlauf das Torhüterinnen-Gespann des Drittliga-Teams vervollständigen. Hassing war auch dabei, als der TV Oyten am sechsten Spieltag den ersten Sieg feierte. Beim Hannoverschen SC gewann der TVO knapp mit 24:22. Die Hoffnung, dass es in der Tabelle nun nach oben gehen würde, war da. Doch sie sollte schnell wieder schwinden. Denn gleich in der darauffolgenden Partie präsentierten sich die „Vampires“ besonders in der Deckung desolat. Beim MTV Heide gingen sie mit 30:45 unter.

Die Trennung

Diese Niederlage hatte Konsequenzen. Denn die Begegnung sollte die letzte sein, in der Jörg Leyens auf der Bank die Verantwortung trug. Es trat die Regelung ein, die so oft eintritt, wenn eine Mannschaft keine Erfolge vorweisen kann: Der Verein trennte sich vom Coach. „In einem Gespräch mit dem verantwortlichen Trainer wurde gemeinschaftlich festgestellt, dass es für die Mannschaft einen neuen Impuls geben muss. Dieser kann leider nur durch einen Trainerwechsel erfolgen“, hieß es Anfang November in der Pressemitteilung des Vereins. Auch Monate später in einem Interview mit unserer Zeitung sagte Spartenleiter Daniel Moos, dass ihm die Entscheidung unheimlich schwer gefallen sei. Jörg Leyens hatte indes Verständnis für die Entscheidung gezeigt. Das Hauptproblem sei aber nicht er selbst gewesen, sondern der Qualitätsverlust des Kaders. So richtig ankreiden lassen wollte sich die unzureichende Kaderplanung im Sommer niemand. Im Grunde wurde der Zeitpunkt der Trennung jedoch richtig gewählt. Denn nach dem Spiel in Heide stand für Oyten eine etwas längere Pause an. Den Vereinsverantwortlichen blieb somit Zeit, eine Nachfolgelösung zu finden

.Ein eingespieltes Gespann

Und die wurde dann auch gefunden – und zwar intern. Als Nachfolger von Jörg Leyens präsentierte der Klub das Trainerduo Marc Winter/Lars Müller-Dormann. Die beiden Coaches trainierten zuvor schon die männliche A-Jugend und die Landesliga-Männer des TV Oyten. Zunächst waren Winter und Müller-Dormann nur als Zwischenlösung angedacht. Als sich aber immer stärker andeutete, dass es zwischen Team und Trainern passt und die Belastung, mehrere Mannschaften des TVO zu trainieren, als nicht zu groß erwies, verlängerte der Verein mit den beiden. Allerdings mussten die neuen Coaches ebenfalls eine gewisse Zeit auf den ersten Erfolg warten. Erst im fünften Spiel unter ihrer Regie gewannen die „Vampires“ zu Hause gegen Henstedt-Ulzburg mit 25:22. Es folgten fünf weitere Begegnungen, von denen die in Jörl und in Oldenburg gewonnen wurden. Winter hob dennoch immer wieder hervor, dass die Mannschaft unter ihm und Müller-Dormann eine gute Entwicklung genommen habe. Von der Hand zu weisen war dies nicht, dennoch blieb der TVO im Abstiegskampf stecken. Doch den Gang in Liga vier muss der Klub nun wegen des frühzeitigen Saisonendes nicht antreten. Der Deutsche Handballbund hatte entschieden, dass es in dieser Spielzeit keine Absteiger geben soll. Zu diesem Zeitpunkt war Oyten Vorletzter

.Frühzeitige Planung

Jede Menge Entscheidungen wurden auch schon von Marc Winter getroffen – und zwar in Sachen Kaderplanung. Die haben er und Lars Müller-Dormann bereits abgeschlossen. Einen Umbruch wird es auch in diesem Jahr geben. Erneut verlassen den Klub wichtige Spielerinnen: Jana Kokot und Lisa Goldschmidt zieht es aus privaten Gründen nach Rostock. Lisa Bormann-Rajes schließt sich ein zweites Mal der HSG Blomberg-Lippe an. Der Unterschied zum vergangenen Jahr ist jedoch, dass dieses Mal rechtzeitig reagiert wurde. Alle anderen Spielerinnen, die in dieser Saison im Kader standen, haben für die neue Serie zugesagt. Eine Ausnahme ist Kim Pleß. Ihre zwischenzeitliche Rückkehr war eh nur für die Saison 2019/2020 vorgesehen. Um weiterhin erfahrene Spielerinnen im Kader zu haben, wurden Sabine Peek und Jana Stoffel aus der zweiten Mannschaft befördert. Doch auch extern ist Winter fündig geworden: Mit Pia Franke, Lena Schulz und Tabea Webner kehren gleich drei Spielerinnen zum TV Oyten zurück. Zudem konnte der Coach Julia Reinefeld (HSG Heidmark) und Isabel Schengalz (SV Werder) für einen Wechsel zu den „Vampires“ begeistern. „Wir sind mit der Kaderplanung sehr offensiv umgegangen. Das zeigt aber auch, dass wir ein Ziel und einen Plan haben“, sagte Winter. Der Plan sieht vor, dass der TVO auch in der Saison 2021/2022 in der 3. Liga spielt. „Es wird auf jeden Fall eine spannende Geschichte. Denn aufgrund der aktuellen Lage müssen wir uns auch neu erfinden“, findet der Coach.

Das Fazit des Trainers

Spannend werden aber nicht nur die kommenden Monate – allein wegen der Frage, wann ein normaler Sportbetrieb wieder möglich ist –, auch die zurückliegenden Monate waren es. Die Saison genau zu beurteilen, fällt Marc Winter jedoch nicht leicht. Zum einen wegen des abrupten Endes. Zum anderem, weil er nicht über die gesamte Spielzeit in der Verantwortung stand. Schlussendlich bleibt bei ihm aber eine Überzeugung: „Wir hätten den Klassenerhalt auch ohne den Abbruch geschafft.“ Die Entwicklung habe dafür gesprochen. Als negativ habe er nur die Niederlagen gegen die HG OKT und den Hannoverschen SC empfunden. „Da sind die Mädels auch an ihrem Nervenkostüm gescheitert. Lars und ich haben aber zu keinen Zeitpunkt bereut, dass wir das Team übernommen haben.“

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Florian Cordes

01.05.2020, 11:22 Uhr Presseberichte