Wiebke Meyers Rückblick auf Premierensaison

Wiebke Meyer blickt nach ihrem Wechsel vom TV Oyten zum HC Leipzig auf ihre Spielzeit in der 2. Bundesliga zurück. Die Saison wurde wegen der Corona-Krise für beendet erklärt

        

Wiebke Meyer wagte nach der Saison 2018/2019 den Schritt zum HC Leipzig und somit in die 2. Bundesliga. Ihre erste Saison im Unterhaus hat sie genossen. (Björn Hake)

Oyten/Leipzig.Eigentlich wollte sich Wiebke Meyer in dieser Woche gar nicht in Deutschland aufhalten. Das Handball-Talent hatte geplant, in Frankreich zu sein. Dort wollte die junge Achimerin mit der deutschen U18-Nationalmannschaft an dem Treff des deutsch-französischen Jugendwerks (DFJW) teilnehmen. Im Rahmen dieses Treffens hätten für Wiebke Meyer mit Deutschland gleich drei Freundschaftsspiele gegen Frankreich auf dem Programm gestanden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Reise abgeblasen. „Das ist natürlich richtig ärgerlich“, bedauert Wiebke Meyer. Und so hält sie sich zurzeit in ihrer Heimatstadt bei den Eltern auf – und nicht in Frankreich. Zu Hause durfte sie von aufregenden Monaten erzählen, die hinter ihr liegen.

Wiebke Meyer hatte sich in ihrer noch jungen Laufbahn dazu entschieden, nach der Saison 2018/2019 den nächsten Schritt zu unternehmen. Sie verließ den Kreis Verden in Richtung Sachsen, um sich dort weiterzuentwickeln. Die talentierte Linkshänderin, die im August 2019 für Deutschland bei der U17-EM spielte, fasste den Entschluss, den TV Oyten zu verlassen. Ihr Ziel: der Traditionsverein HC Leipzig. Für Meyer ging es von der 3. Liga in die 2. Bundesliga. „Der Unterschied zwischen den beiden Ligen ist riesig. Allein schon, weil man durch ganz Deutschland reist“, sagt die 18-Jährige nach ihrer ersten Saison mit dem HCL.

Ihre Premierensaison im Unterhaus ging jedoch – aufgrund der Corona-Pandemie – früher zu Ende. Am 8. März trug der HC Leipzig sein letztes Spiel der Saison 2019/2020 aus. Zu Hause verloren Meyer und Co. mit 23:32 gegen die Füchse Berlin. Danach wurde der Spielbetrieb zunächst eingestellt. Das geplante Auswärtsspiel des HCL in Freiburg wurde nicht ausgetragen. „Weil auch die Schule in Leipzig geschlossen wurde, hab ich mich dann auf den Weg nach Achim gemacht“, sagt Meyer. Ursprünglich hatte sie den Plan, in die Sachsen-Metropole zurückzufahren, um mit ihrem Team zu trainieren. Das musste sie aber nicht: Denn wenige Tage nach der Aussetzung des Spielbetriebs fasste die Handball Bundesliga Frauen (HBF) den Entschluss, die Saison komplett einzustellen. Trainiert wird derzeit ebenfalls nicht. Der HC Leipzig beendet die Saison auf Rang neun und somit im Mittelfeld der Tabelle.„Irgendwie wurden wir schon überrumpelt“, sagt Wiebke Meyer. Gleichzeitig schränkt sie aber auch ein: „Unsere Gedanken haben wir uns innerhalb der Mannschaft schon gemacht. Denn es war klar, dass die Saison nicht weitergehen kann, wenn noch mehr Spiele hätten verlegt werden müssen.“ Und so ist sie jetzt noch immer in Achim und darf auf eine spannende erste Saison in der 2. Bundesliga zurückblicken. Bei der Frage, wie sie die Spielzeit mit dem mehrfachen Deutschen Meister erlebt hat, rutscht ihr ein Wort ganz schnell über die Lippen: „Megageil.“ Sie habe die zurückliegenden Monate wahrlich genossen.

Und nicht nur das Sportliche habe sie begeistert. Das Drumherum ist in Leipzig mehrere Nummern größer als beim TV Oyten. Während in der Pestalozzihalle selten die Marke von 200 Zuschauern geknackt wird, strömen beim HCL bis zu 700 Zuschauer in die Halle. Leipzig sei nun einmal ein sehr großer Klub, sagt Wiebke Meyer über ihren aktuellen Verein.

Von den ursprünglich geplanten 30 Saisonspielen hat der HCL, dem 2017 die Erstliga-Lizenz entzogen wurde und daher in der 3. Liga einen Neustart angehen musste, 21 absolviert. Für Wiebke Meyer war darunter eine Partie von ganz besonderem Wert: das Auswärtsspiel gegen den SV Werder Bremen. Es sei einfach nur schön gewesen, mit Leipzig vor der Haustür ihrer Heimatstadt zu spielen. „Viele Freunde und die Familie waren als Zuschauer da. Es hat sich schon angefühlt, als würde ich nach Hause kommen“, schwärmt die Linkshänderin.

In der neuen Saison wird sie wieder nach Bremen kommen. Denn Absteiger gibt es in diesem Jahr nicht in der 2. Liga. Und so bleibt dem SVW die Fortsetzung des Kampfs um den Klassenerhalt erspart. Für die Serie 2020/2021 hat sich Wiebke Meyer auch schon einiges vorgenommen. Vor allem möchte sie öfter auf dem Feld stehen. „Dass ich jetzt nicht die meiste Spielzeit bekommen habe, ist doch auch ganz normal. Mir fehlt als junge Spielerin die Erfahrung, da muss man sich das Spiel halt auch oft von außen anschauen.“ Ihre persönlichen Erfolge hatte sie im Unterhaus aber feiern dürfen. Insgesamt sieben Tore erzielte sie für den HC Leipzig in der 2. Liga. Einen Treffer markierte Wiebke Meyer, die beim HCL die Nummer 41 trägt, in Bremen.

Nicht nur in der 2. Bundesliga war Wiebke Meyer für den HCL aktiv. Spielberechtigt ist sie außerdem für die weibliche A-Jugend. Mit dem Nachwuchsteam ging sie in diesem Jahr in der Bundesliga an den Start. „Leider haben wir unser Ziel nicht erreicht“, sagt Meyer. Nach der Zwischenrunde war für den Klub aus Sachsen Schluss. Nach drei Spielen belegten Meyer und Co. hinter dem TSV Bayer Leverkusen, der SG BBM Bietigheim sowie der HSG Marne/Brunsbüttel Platz vier. Die Vorrunde schloss Leipzig noch als ungeschlagener Erster ab. Gegen den TV Aldekerk und den AMTV Hamburg fuhr Leipzig vier Siege ein. Meyer steuerte zu den Erfolgen 13 Tore bei, in der anschließenden Zwischenrunde kam sie auf 16 Tore. In der kommenden Saison, hofft Meyer, solle es in der Jugend-Bundesliga noch weitergehen: „Denn ein Jahr darf ich ja noch in der Jugend spielen.“

Doch bei aller Freude über eine aufregende Saison musste die 18-Jährige Ex-Oytenerin auch einen Rückschlag verkraften. Wegen Rückenproblemen musste sie für eine längere Zeit aussetzen. Von Ende Oktober bis Ende des Jahres 2019 absolvierte sie keine Partie für den HCL. Erst im Heimspiel gegen Herrenburg Anfang Januar kehrte sie zurück. Die Probleme mit dem Rücken habe sie wohl auch aufgrund des größeren Trainingspensums bekommen, denkt Meyer. „Daher habe ich dann sehr viel für meinen Rumpf getan.“

Probleme habe sie seitdem nicht mehr. Zudem sei es während ihrer Ausfallzeit umso wichtiger gewesen, dass sie im Sommer so gut in Leipzig aufgenommen worden sei. Obwohl sie weit weg von Familie und Freunden war, fühlte sie sich in der Sachsen-Metropole auf Anhieb wohl. „Ich bin toll von der Mannschaft und meinen Mitbewohnerinnen aufgenommen worden“, erinnert sich Meyer an die ersten Wochen im neuen Zuhause.

Wann sie zurück nach Leipzig fährt, könne sie jetzt noch nicht einschätzen. „Das kommt darauf an, wann dort wieder die Schule und das Training beginnen“, sagt sie und schiebt schmunzelnd hinterher: „Oder wie lange ich meinen Eltern noch auf den Geist gehen darf.“

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

27.03.2020, 10:07 Uhr Presseberichte