Unterschiedliche Gemeinsamkeiten

Lars Müller-Dormann und Marc Winter befinden sich mit dem TV Oyten im Titelrennen und Abstiegskampf

Marc Winter (links) und Lars Müller-Dormann müssen in dieser Saison ständig hin- und herswitchen, und zwar zwischen Abstiegskampf und Titelrennen. 

Mehrere Mannschaften parallel zu trainieren, das allein ist bereits eine Herausforderung. Befinden sich die Teams in ihren jeweiligen Ligen dann in komplett unterschiedlichen Situationen, wird diese nicht unbedingt kleiner. Genauso ergeht es momentan den beiden Coaches Lars Müller-Dormann und Marc Winter. Das Duo ist beim TV Oyten für die Erste Frauen sowie für die Erste Herren des Klubs zuständig. Und unterschiedlicher könnten die Situationen nicht sein: Mit den Männern befinden sie sich in der Handball-Landesliga mitten im Titelrennen, mit den Frauen wollen Winter und Müller-Dormann mit aller Macht den Abstieg aus der 3. Liga verhindern.
Aufgrund dieser konträren Voraussetzungen könnte schnell der Eindruck entstehen, dass das Trainer-Geschick von Müller-Dormann und Winter nun besonders gefragt ist. Schließlich ist es für einen Sportler nun einmal etwas anderes, ob er erfolgreich Handball spielt, auf den Titel hofft und vor Selbstvertrauen sprüht, oder eben um den Ligaverbleib bangen muss. Lars Müller-Dormann ist jedoch ein Mensch und Trainer, der die beiden Situationen, mit denen er aktuell umgehen muss, sehr besonnen beurteilt. „Ob die Herausforderung für Marc und mich eine besondere ist, kann ich gar nicht genau sagen. Prinzipiell geht es ja bei beiden Teams darum, dass wir unseren Job gut machen“, sagt Müller-Dormann. Ständig zwischen Titelrennen und Abstiegskampf hin- und herzuswitchen – vor allem mental – empfinde er nicht als Belastung. Abgesehen von den verschiedenen Lagen in den beiden Ligen, sei es ohnehin ein Unterschied, Männer oder Frauen zu trainieren.
Lars Müller-Dormann macht zudem deutlich, dass Marc Winter und er genau wussten, mit welch unterschiedlichen Konstellationen sie zurechtkommen müssen. Die Männer des TV Oyten hatten die beiden erfahrenen Trainer im Sommer 2019 übernommen. Sie waren mit dem klaren Ziel angetreten, in der Landesliga ganz weit oben dabei zu sein. „Bei den Männern arbeiten wir seit Sommer perspektivisch. Wir trainieren so, als würden wir eine Liga höher spielen.“
Die Frauen hatte das Duo hingegen mitten in der Saison übernommen, nachdem sich der TVO von Jörg Leyens getrennt hatte. Schon zu diesem Zeitpunkt steckten die „Vampires“ tief im Abstiegskampf der 3. Liga. Das ist auch jetzt noch der Fall. Drei Punkte beträgt der Rückstand zum ersten Nichtabstiegsplatz. Diesen hätten die Oytenerinnen am vergangenen Wochenende verkürzen können. Aufgrund einer desolaten Leistung verlor Oyten das Kellerduell gegen den Hannoverschen SC mit 24:30. „Marc hatte es nach dem Spiel schon passend gesagt: Wir waren vom Kopf nicht richtig da. Es fehlte die nötige Überzeugung. Und vielleicht sind wir auch alle ein bisschen mit der Einstellung in das gegangen, dass der Rückstand zu den Teams vor uns eh nur noch einen Punkt beträgt“, findet Lars Müller-Dormann.
Der Kopf, er spielt im Abstiegskampf eine wesentliche Rolle. Doch eben nicht nur dort. Das hat Müller-Dormann in dieser Saison auch mit den TVO-Männer erlebt. So musste er im November mit ansehen, was passieren kann, wenn bei einem Spitzenteam die Einstellung nicht stimmt. Als hoher Favorit kassierte der TVO damals ein 24:25 beim TS Woltmershausen. Ende Januar beim 19:19 gegen die HSG Delmenhorst II hatte der Trainer ebenfalls die nötige Ernsthaftigkeit vermisst. „Mittlerweile haben die Jungs aber verstanden, worauf es ankommt, damit solche Dinge nicht geschehen“, sagte Müller-Dormann.
Mit Blick auf die letzten Saisonspiele hat Lars Müller-Dormann zudem eine weitere Gemeinsamkeit ausgemacht – trotz der unterschiedlichen Ausgangslage: „Für beide Mannschaft gilt jetzt das Gleiche: Beide dürfen im Grunde nicht mehr verlieren.“ Sonst drohe der Worst Case. Sprich: Beide Teams verpassen ihr Ziel. Daran möchte Lars Müller-Dormann aber nicht denken. Viel mehr motiviert ihn die Vorstellung, dass Oytens Frauen die 3. Liga halten und er mit den Männern aufsteigt. Dann käme es zur nächsten Gemeinsamkeit: Beide Teams dürften feiern.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

11.03.2020, 07:29 Uhr Presseberichte