Trennung von Coach Leyens: TVO will neuen Impuls geben

Der sich im Abstiegskampf befindende TV Oyten trennt sich im Einvernehmen von Coach Jörg Leyen



Haderte mehr als das er feiern konnte: In dieser Saison lief es für Jörg Leyens mit den „Vampires“ nicht. Das Punktekonto von 2:12 steht stellvertretend dafür. (Björn Hake)

Oyten. Was passiert in der Regel im Sport als Erstes, wenn eine Mannschaft nicht die gewünschten Ergebnisse abliefert? Richtig, der Trainer wird entlassen. Es ist beinahe immer die erste Reaktion der Verantwortlichen auf die Misslage. Der TV Oyten ist da keine Ausnahme. Der Vorstand hat sich entschlossen, die Zusammenarbeit mit Jörg Leyens, Coach der Drittliga-Handballerinnen, zu beenden. Im Einvernehmen habe man sich getrennt. Natürlich ist die Rede dabei von dem berühmten neuen Impuls, den es bedarf.

Nach der 30:45-Niederlage gegen Aufsteiger Heide, der sechsten Pleite im siebten Saisonspiel, und angesichts der Pause bis zum 24. November war beim TVO klar: Irgendetwas muss passieren. „In einem Gespräch mit dem verantwortlichen Trainer wurde dann gemeinschaftlich festgestellt, dass es für die Mannschaft einen neuen Impuls geben muss. Dieser kann leider nur durch einen Trainerwechsel erfolgen“, heißt es in der Pressemitteilung des Vereins. „Die TV Oyten Vampires bedanken sich bei Jörg Leyens für seinen Einsatz und sein Engagement. Wir sind traurig, dass es nun leider zur Trennung kommen musste,“ wird Daniel Moos, Vorsitzender der Handball-Abteilung beim TVO, in der Pressemitteilung zitiert.

Der Coach derweil zeigt Verständnis dafür. Das Hauptproblem sei aber nicht er selbst gewesen, sondern der Qualitätsverlust des Kaders. Bereits bei Leyens Amtsantritt zu Beginn der vergangenen Saison haben sich mit Kea Drewes, Jaqueline Nowak, Liv Süchting und Pia Franke vier Akteurinnen verabschiedet. Die „Vampires“ überzeugten dennoch in der Weststaffel mit Platz vier. Vor dieser Saison musste der TVO mit Denise Engelke, Wiebke Meyer, Lena Schulz und Bryana Newbern erneut schwere personelle Verluste hinnehmen. Hinzukamen mit Patricia Lange und Lea Bertram zwei Langzeitverletzte. Diesmal konnten die Abgänge in der starken Nordstaffel nicht kompensiert werden.Ankreiden lassen will sich das aber niemand, weder der jetzige Ex-Coach, noch die Vereinsführung. „Ja, wir haben die Abgänge nicht adäquat ersetzen können, das ist einfach die Situation. Aber es ist schwierig, neue Leute zu bekommen, wenn ein Verein wie Werder Bremen in der Nähe ist. Daher würde ich nicht von Fehlern sprechen“, lautet die Antwort von Matthias Mosel, 2. Vorsitzender, auf die Frage, ob Fehler bei der Kaderplanung begangen wurden. So sieht es auch Jörg Leyens: „Die Konkurrenz hat viel abgefischt und bei vielen jüngeren Spielerinnen sieht man ein Spiegelbild der Gesellschaft: Früher hat man danach gelechzt, in der 3. Liga zu spielen. Heute ist vielen der Aufwand zu groß.“ Und dabei sei der Aufwand beim TVO noch ein eher geringer. „Mit drei Trainingseinheiten stehen wir in der Liga gerade mal im unteren Mittelfeld. Viele andere Teams wie beispielsweise Heide trainieren fünf-, sechsmal die Woche“, erzählt Leyens.

Dass sich die „Vampires“ als Zehnter von zwölf Teams im Abstiegskampf befinden, sei also nicht verwunderlich, führt Leyens weiter aus. Aber auch er kennt die ungeschriebenen Gesetze des Sports. „Ich kann das nachvollziehen. Wenn man der Meinung ist, ein neuer Impuls kann etwas bewirken, dann gut, dann mache ich den Weg frei, um der Mission Klassenerhalt eine vielleicht größere Chance zu geben. Der Trainer ist halt immer die erste Schraube, an der gedreht wird.“

Aufgrund der sportlichen Misslage und den kleinen Unstimmigkeiten zwischen der ersten und zweiten Mannschaft liegt die Vermutung nahe, zwischen dem TVO und Leyens hätte es bereits seit Längerem nicht mehr gepasst. Doch Matthias Mosel schiebt diesem gleich einen Riegel vor: „Wir haben nicht sofort Plan B aus der Tasche geholt, dann wäre es ja geplant gewesen. Aber das haben wir definitiv nicht.“ Der vorläufige Plan ist laut Pressemitteilung: „Bis eine Lösung gefunden ist, werden Co-Trainer Janosch Rosenow und Torwart-Trainer Sören Böttcher die Mannschaft betreuen.“ Ebenso sei das Verhältnis zwischen Team und Coach immer ein gutes gewesen, wie Leyens versichert. Ein Aber gibt es jedoch in diesem Punkt: „Persönlich hatten wir immer ein gutes Verhältnis. Wenn der sportliche Erfolg aber nicht da ist, fragt sich auch die Mannschaft, woran es liegt. Schnell geht der Blick dann auch Richtung Trainer“, verrät der jetzige Ex-Coach.

Nichtsdestotrotz blickt Jörg Leyens positiv auf die Zeit zurück und nimmt schweren Herzens seinen Hut. „Wer mich kennt, der weiß, wie gerne ich das gemacht und wie viel Zeit ich investiert habe. Ich hänge sehr an dem Verein. Jetzt hoffe ich, dass alles klappt und die Klasse gehalten wird. Ich wünsche es dem TV Oyten.“ Die Hoffnungen beruhen nun auf dem berühmten neuen Impuls

Quelle: Achimer Kurier - Patrick Hilmes

07.11.2019, 08:31 Uhr Presseberichte