Der Rumpfkader triumphiert

Der TV Oyten tritt gegen Bonn personell geschwächt an, schnappt sich aber den Sieg

Oyten. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass die Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten in dieser Saison mit schwierigen Situationen fertig werden können, dann hat ihn die Sieben von Trainer Leyens im letzten Heimspiel der aktuellen Spielzeit geliefert. Mit dem allerletzten Aufgebot wurden Oytens Gäste vom TSV Bonn niedergerungen. 23:21 (11:14) lautete das Resultat nach 60 Minuten für die „Vampires“. Nach der Partie war die verletzte Jana Kokot für die Abschiedsreden verantwortlich. Sechs Spielerinnen verlassen den TV Oyten. Zur neuen Saison wird die  Mannschaft ein neues Gesicht bekommen. Als Zugänge stehen Emily Winkler (VfL Oldenburg) und Elisa Führ (SG 09 Kirchhof II) fest. Zudem steigt Marielle Wolf (geborene Juricke) nach einer Schwangerschaftspause wieder ein.

„Es war eine schwierige aber auch tolle Serie. Vor der Serie hätte keiner damit gerechnet, dass wir soweit vorne mitspielen. Ohne Euch wäre das nicht möglich gewesen.“ Mit diesen Worten bedankte sich Jana Kokot, die im letzten Heimspiel aufgrund einer hartnäckigen Rückenverletzung nicht mitwirken konnte, bei den Zuschauern für die Unterstützung. Trotz der ungewohnten Anwurfzeit – die Partie wurde am Sonntag bereits um 13 Uhr angepfiffen – war die Pestalozzihalle gut gefüllt. Rund 250 Zuschauer wollten sich das letzte Heimspiel der Leyens-Sieben nicht entgehen lassen.Trainer zieht seinem Team den SteckerDer TV Oyten tat sich gegen den Kontrahenten aus der ehemaligen Bundeshauptstadt zunächst schwer. 2:5 stand es nach elf Minuten. Bis dahin hatten die Gastgeberinnen gegen die offensive Abwehr des Tabellenvorletzten kaum ein erfolgreiches Mittel gefunden. Folgerichtig baute der TSV Bonn seine Führung im weiteren Verlauf leicht aus. In der 17. Minute stand es 9:5 für die Gäste. Dann zog aber TSV-Trainer Jochen Scheler bei seiner Mannschaft mit einem Team Timeout den Stecker. Hatte der TSV Bonn die Partie bis zur Auszeit sicher im Griff gehabt, war auf einmal der Wurm drin.Auf der anderen Seite witterte Oytens Mannschaft ihre Chance. Über die Stationen 7:9 (Lena Schulz) und 9:10 (Anna-Lena Meyer) arbeitete sich die Leyens-Truppe langsam heran. Sieben Minuten vor der Halbzeitpause war die Partie nach dem Treffer zum 10:10 durch Franca Jakob wieder offen. In der Folge ließ sich die Heimsieben auch durch den erneuten Rückstand zur Pause nicht aufhalten. Lena Schulz zeichnete beim 15:14 (39.) für die erste Führung des TV Oyten verantwortlich. Diese baute die durch eine Oberschenkel-Zerrung stark gehandikapte Lisa Bormann-Rajes im weiteren Verlauf auf vier Tore aus – 19:15 (46.).

In trockenen Tüchern war der Sieg allerdings erst 90 Sekunden vor dem Ende. Zunächst hämmerte Anna-Lena Meyer den Ball zum Endstand rechts oben in den Winkel, im Gegenzug lenkte die im zweiten Durchgang bärenstarke Romina Kahler einen Rückraumwurf an den Pfosten. Nach der Schlusssirene lagen sich die Gastgeberinnen in den Armen. Beim TSV Bonn war Kontrastprogramm angesagt. Der Aufsteiger muss die Liga nach einem Jahr wieder verlassen. „Jede Spielerin hat heute noch einmal alles gegeben. Im ersten Durchgang hat uns die Auszeit des Gegners dabei sicherlich in die Karten gespielt“, sagte Jörg Leyens.

Dann gab es für die scheidenden Spielerinnen Präsente zum Abschied. Bereits in der Vorrunde hatten sich Tabea Webner und Pia Franke aus dem Kader verabschiedet. Während Linkshänderin Webner demnächst für die SG Findorf in der Oberliga aufläuft, wird Pia Franke nach ihrer Rückkehr aus Kanada nicht wieder einsteigen. Lena Schulz geht beruflich nach Hannover und Torfrau Bryana Newbern steht in der kommenden Saison beim Oberligisten SV Werder Bremen II im Kasten. Abgang Nummer fünf ist Wiebke Meyer, die beim TV Oyten zur Jugend-Nationalspielerin gereift ist. Die 17-Jährige zieht es ins Handball-Internat nach Leipzig. Zum Schluss war Denise Engelke an der Reihe. „Ich kann dem SV Werder Bremen zu dem Transfer nur gratulieren. Sie bekommen nicht nur eine starke Spielerin, sondern auch einen tollen Menschen“, sagte Jana Kokot unter dem Beifall der Halle. Dabei ließ es sich Engelke nach ihrem Fingerbuch nicht nehmen im letzten Heimspiel die Siebenmeter zu werfen. Fünfmal war sie vom Strich erfolgreich.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Jürgen Prütt

29.04.2019, 10:41 Uhr Presseberichte