TV Oyten: Verkleinerter Wortschatz

Die Frauen des TV Oyten stehen vor dem letzten Spiel der Hinrunde. Zu Gast in der Pestalozzihalle ist am Sonntag der Tabellenletzte BV Garrel.

Oyten. Sechs Spiele ohne Niederlage. Diese Serie hat den Handballerinnen des TV Oyten viel Selbstvertrauen gegeben und das Team zudem in die Spitzengruppe der 3. Liga West befördert. Und nun kommt zum Abschluss der Hinrunde der noch sieglose Tabellenletzte BV Garrel in die Pestalozzihalle (Anpfiff: Sonntag um 15 Uhr).

Wenn der Vierte des Tableaus in eigener Halle auf das Schlusslicht trifft, schießt einem schnell ein Gedanke durch den Kopf. „Ein Pflichtsieg muss her.“ Doch diesen Gedanken hatte Jörg Leyens bislang nicht. Und er wird dem Trainer des TV Oyten auch nicht mehr in den Kopf kommen. „Nein, nein, nein“, lautet seine Antwort auf die Frage, ob seine Mannschaft gegen Garrel einen Pflichtsieg einfahren müsse. „Dieses Wort kenne ich nicht, und auch meine Spielerinnen haben es aus ihrem Wortschatz gestrichen“, verdeutlicht Leyens, dass er und seine „Vampires“ den Aufsteiger sehr ernst nehmen.

Dass die Serie seinem Team gutgetan hat und die untere Tabellenregion aktuell recht weit entfernt ist – der Abstand zur Abstiegszone beträgt kurz vor Saison-Halbzeit satte sieben Punkte –, will Jörg Leyens gar nicht abstreiten. „Allerdings ist es auch nicht selbstverständlich, dass wir seit sechs Spielen nicht verloren haben“, findet der Coach. „Denn wir mussten auch viele Höhen und Tiefen durchmachen.“ Die Sieben von Leyens ist derzeit wahrlich gut darin geübt, spannende Spiele zu absolvieren. Die Oytenerinnen sind in dieser Saison echte Experten darin, hohe Rückstände aufzuholen, aber andererseits auch deutliche Vorsprünge herzugeben. Dass es zuletzt mit dem Punkten aber geklappt hat, liegt für Jörg Leyens an einer besonderen Trainingsmethode.



Jörg Leyens will das Wort Pflichtsieg vor dem Vergleich mit dem Schlusslicht aus Garrel nicht in den Mund nehmen.

 Obwohl sich die „Vampires“ mitten in der Saison befinden, schickt Jörg Leyens seine Spielerinnen regelmäßig auf Laufrunden. „Ich muss mir zwar besonders an diesen Tagen immer mal wieder anhören, dass es zu nass und zu kalt ist, aber das härtet uns auch ab. Mein Co-Trainer Sören Boettcher und ich gehen daher auch mit gutem Beispiel voran und laufen mit“, sagt Jörg Leyens schmunzelnd. „Da wird nicht auf dem Fahrrad nebenher gefahren.“ Leyens ist sich sicher, dass diese Laufeinheiten viel dazu beitragen, dass sein Team aktuell so erfolgreich ist. „Wir haben einen Tick mehr Kondition und dadurch auch eine bessere Konzentration“, hat der Coach des TVO festgestellt. Diese gute Kondition verhalf Oyten in dieser Saison schon mehrfach, fast verlorene Spiele zu drehen. Das ist den „Vampires“ auch in der Vorwoche beim TSV Bonn geglückt. Bei dem Abstiegskandidaten aus der früheren Bundeshauptstadt lag der TVO rund zwölf Minuten vor dem Abpfiff mit drei Toren im Hintertreffen. Die Gäste verpassten dem Spiel dann doch aber noch eine Wende und durften dank des 27:25-Sieges eine schöne Heimfahrt gen Norden genießen.  „Bonn war das zweitschwerste Spiel der Hinrunde, jetzt folgt das schwerste“, warnt Leyens nun davor, Garrel zu unterschätzen. „Das wird aber auch nicht passieren. Dafür sind meine Spielerinnen auch zu erfahren. Der Gegner muss zwar mit Sarah Weiland auf eine wichtige Akteurin verzichten (Kreuzbandriss, Anm. d. Red.), doch Garrel hat noch eine Vielzahl guter Spielerinnen im Kader.“ Das habe das Team im jüngsten Spiel gegen den Tabellenführer HSV Solingen-Gräfrath bewiesen, das mit 19:26 verloren wurde. „Das Spiel war aber lange Zeit offen“, sagt Leyens. Er sei sich sicher, dass sich der Tabellenletzte noch nicht aufgegeben habe – obwohl bislang nur zwei Unentschieden und acht Niederlagen eingefahren worden sind. Das Wort Pflichtsieg will Jörg Leyens zwar nicht in den Mund nehmen, das Ziel ist aber dennoch klar formuliert. Der Favorit will die Partie für sich entscheiden. „Mit dem Szenario einer Niederlage beschäftigt sich im Vorfeld eines Spiels wohl kaum ein Trainer“, sagt Leyens und lässt dann doch kurz erkennen, dass auch er viel Selbstvertrauen getankt hat. „Irgendwie ist das Wort Niederlage auch aus unserem Wortschatz verschwunden.“

Zudem gibt es für den TV Oyten eine weitere große Motivation, Garrel zu besiegen. Denn nach dem Remis gegen VfL Oldenburg II wollen die „Vampires“ zumindest das zweite Derby der Hinrunde gewinnen.

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Florian Cordes

14.12.2018, 09:48 Uhr Presseberichte