Relativierung im Nachgang

Der TV Oyten empfängt den 1. VfL Potsdam 1990. TVO-Coach Thomas Cordes hat eine hohe Meinung vom kommenden Gegner.

Oyten. Hinterher ist man immer schlauer. Zumeist bewahrheitet sich diese Plattitüde. Und manchmal dauert es auch etwas länger. So jetzt bei Thomas Cordes. Die erste Saisonpartie der Bundesliga bestritt der Coach mit der A-Jugend des TV Oyten beim 1. VfL Potsdam 1990. Am Ende trat Oyten die Heimreise mit einer 20:25-Niederlage im Gepäck an. Hinterher war Thomas Cordes enttäuscht, immerhin ordnete er den Gegner nicht zu den Top sechs der Liga. Nun steht das Rückspiel vor heimischer Kulisse in der Pestalozzihalle an (Anpfiff: Sonntag um 15 Uhr). Mittlerweile hat sich die Meinung Cordes bezüglich der Potsdamer aber verändert.

„Wir hatten uns damals gegen Potsdam mehr ausgerechnet. Doch jetzt muss ich das etwas revidieren, denn diese Mannschaft ist nicht mehr mit der aus dem Vorjahr zu vergleichen“, betont Thomas Cordes. Die Qualität des Kaders sei deutlich angestiegen. Der Grund ist laut Cordes, dass der VfL seine Kooperation mit den Füchsen Berlin ausgeweitet habe. Davon profitiere Potsdam ungemein. Am vergangenen Spieltag wurde zwar klar, dass Berlin die größten Talente für sich behält (38:22-Sieg gegen den VfL), dennoch haben sich die Potsdamer weiterentwickelt. Bestätigt wird das durch deren Platzierung, denn mittlerweile gehören sie zu den Top sechs der Liga.

Das attestiert ihnen indessen auch Thomas Cordes: „Der VfL steht zurecht da oben.“ Alle Mannschaften verfügen laut Cordes über bessere Bedingungen und Möglichkeiten in puncto Training und Scouting. „Aber Berlin ist da nochmals einen Tick besser, das ist nochmals ein anderes Level. Dem muss man Respekt zollen.“ Und genau davon profitieren auch die Potsdamer. So sehr sie die generelle Meinung des Oytener Trainers bezüglich des Gegners auch geändert hat, es sei dennoch damals im Hinspiel mehr möglich gewesen. Immerhin hatten die „Vampires“ bis zur Pause Schritt gehalten – 10:11. Doch im zweiten Abschnitt wurde das deutlich, was die Oytener zu oft in dieser bisherigen Spielzeit auszeichnet: Inkonstanz.  Genau diesen Punkt nennt auch Thomas Cordes, wenn er darüber spricht, was seiner Truppe zu solchen Teams wie Potsdam fehlt. „Wir haben sicherlich gute Momente in unseren Spielen, manchmal über 0, 40 Minuten, manchmal nur über 20 Minuten. Dann schlägt es aber auch gerne in die andere Richtung um, dann lassen wir uns den Schneid abkaufen. Da fehlt uns die Konstanz.“ Das sei das Hauptkriterium, dass sich durch die bisherige Saison ziehe. Zwar habe der TVO zu diesem Zeitpunkt zwei Punkte mehr auf der Habenseite als zur gleichen Zeit in der vergangenen Spielzeit, aber insbesondere zwei Partien wurmen den Coach noch immer: die beiden Heimspiele gegen den BSV 93 Magdeburg (23:23) und HSV Hamburg (29:32). „Ich halte den sechsten Platz nicht für utopisch, aber dann muss man seine Hausaufgaben erledigen“, betont Cordes. Und genau das sei in diesen Begegnungen versäumt worden.

Die mangelnde Konstanz kann sich der Coach aber erklären: „Ein wichtiger Faktor ist, dass man fitte Spieler auf den Schlüsselpositionen hat. Doch das ist bei uns nicht immer ganz einfach mit Schule und Beruf. Da haben es die Teams, bei denen sich die Jungs nur auf Handball konzentrieren, natürlich einfacher.“ Der sechste Rang, der die direkte Qualifikation für die nächste Bundesliga-Saison bedeuten würde, sei aber eh nicht das Ziel Nummer eins. Viel mehr sei das die Entwicklung der Spieler. Und die sieht Thomas Cordes bei vielen seiner Akteure, Schwankungen seien eben im Jugendhandball normal.

Dennoch fordert er eine konstante Leistung am Sonntag, denn nur so könne die VfL-Truppe um Josip Simic – „einer der stärksten Rückraumlinken der Liga“ (Cordes) – aufgehalten werden. Zudem dürfe sich seine Sieben nicht zu sehr durch die Kreuzbewegungen der Potsdamer zurückdrängen lassen. Cordes hofft, dass seine warnenden Worte bei seinen Schützlingen ankommen. Immerhin sollen sie nicht erst hinterher schlauer sein

.Quelle: Achimer Kurier - Autor: Patrick Hilmes

07.12.2018, 07:47 Uhr Presseberichte