"Ein schönes Ergebnis harter Arbeit"

Der TV Oyten spielt auch in der Saison 2018/2019 im Oberhaus. Im Interview spricht Erfolgstrainer Thomas Cordes über die erneut geglückte Qualifikation.

Wie vor einem Jahr darf ich Ihnen wieder zum Aufstieg in die Jugendhandball-Bundesliga gratulieren. Was ging in Ihnen vor, als der Sieg gegen den BSV 93 Magdeburg feststand und damit auch die erneute Qualifikation für das Oberhaus?
Thomas Cordes: Danke für die Glückwünsche. Zunächst ist da eine wahnsinnige Vorfreude auf das, was bald kommt, aber auch eine große Erleichterung. Jeder, der am Samstag in der Halle war, hat gesehen, dass die Partie gegen Magdeburg so schwer gewesen ist, wie es zu erwarten war. Wir haben das in der Deckung überragend gelöst und haben taktisch alles richtig gemacht. Ich wusste zunächst nicht, wie wir unsere Abwehr personell aufstellen sollen. Wir haben dann auf der einen Seite mit Niko Korda verteidigt, auf der anderen mit Max Borchert und Kilian Tiller. Das waren in der Deckung sicher die Schlüssel zum Erfolg. Hinzu kamen noch die guten Torhüterleistungen von Mathis Köhlmoos und Jonas Lüdersen. Am Ende gehen wir als verdienter Sieger vom Feld. Und da war die Freude natürlich groß.

Die Verpflichtung von Niko Korda hat sich also schon ausgezahlt?
Ja, definitiv. Es war von vornherein so, dass ich sehr viel von ihm halte. Mir war immer klar, was er zu leisten im Stande ist. Im Angriff ist er ein bisschen der Spieler, den wir mit Noah Dreyer verloren haben (wechselte altersbedingt in den Herrenbereich und spielt künftig für die SG Achim/Baden, Anm. d. Red.). In Summe ist er wohl noch ein bisschen athletischer als Noah. Von daher hilft er uns auf jeden Fall. In der Deckung ist er ein bisschen das Pendant zu Malte Meyer (wechselte ebenfalls zur SG Achim/Baden, Anm. d. Red.). Daher haben wir einen wichtigen Baustein dazubekommen.
Vor einem Jahr haben Sie noch zu mir gesagt, dass Sie sich im Vorfeld der Qualifikation gar nicht sicher gewesen sind, ob Ihre Mannschaft aufsteigen kann. Wie sicher waren Sie sich diesmal, dass sie es packen kann?
Nach dem ersten Qualifikationswochenende (in seiner Gruppe belegte der TV Oyten souverän Platz eins, Anm. d. Red.) war für uns klar, dass wir es unbedingt in die Bundesliga schaffen wollen. Was heißt aber sicher sein? Für mich war klar, dass das entscheidende Spiel das gegen Magdeburg sein wird. Es geht im Jugendbereich auch ganz viel um den Kopf. Da ist viel Mentalität gefragt. Ich hätte mir nicht ausmalen wollen, was passiert wäre, wenn wir das Auftaktspiel verlieren, danach zwei Spiele von der Tribüne aus verfolgen, die von den Resultaten nicht für uns verlaufen, und das letzte Spiel gegen den HC Bremen entscheidend gewesen wäre. Ich glaube, dann kann so ein Turnier ganz schnell einen anderen Verlauf nehmen. Daher war die Vorbereitung auf das Magdeburg-Spiel auch ein bisschen intensiver als auf das Bremen-Spiel. Ich fühle mich da im Nachgang auch ein Stück weit bestätigt. Es war wichtig, dass wir das Ding gegen Magdeburg gleich am Morgen für uns entschieden haben.

Welcher der beiden Bundesliga-Aufstiege ist für Sie der schönere?
Grundsätzlich kann man es nicht miteinander vergleichen. Man muss aber schon sagen, dass wir beim ersten Mal ein Außenseiter waren. Wir haben uns an die Waden der anderen Teams gebissen. Durch einen großen Kampfgeist haben wir den Aufstieg damals überraschenderweise geschafft. Ich habe im vergangenen Jahr aber auch beobachtet, was vermeintliche Favoriten nicht ganz so gut gemacht haben. Das waren für uns mahnende Beispiele für dieses Jahr. Da gab es für mich auch eine kleine Randnotiz: Meine Jungs haben nicht in den Bundesliga-Trikots gespielt. Das hatte den einfachen Grund, dass ich es ihnen verboten habe, sämtliche Kleidungsstücke, die mit der Jugend-Bundesliga zusammenhängen, zu tragen. Ich wollte, dass sich jeder einzelne Spieler dieses Trikot wieder verdient. Dieser kleine psychologische Kniff hat vielleicht den Unterschied gemacht, um alle auf Kurs zu bringen. Es sollte auch zeigen: Geschafft ist es erst, wenn es auch rein rechnerisch so ist. Unser zweiter Aufstieg aus der Position des Gejagten war nicht einfacher, sondern mindestens genauso schwer. Ich bin aber froh darüber, dass wir die Lehren aus Beispielen des vergangenen Jahres gezogen und am Ende alles so gut
gelöst haben

Welche Bedeutung hat dieser zweite Aufstieg für den gesamten Verein?
Für den gesamten Klub ist die ganze Sache mit dem zweiten Jahr eine Art von Beständigkeit. Es ist eben keine Eintagsfliege gewesen. Ganz wichtig ist für mich auch, dass wir nicht nur den 2000er-Jahrgang haben, der Bundesliga-Erfahrung sammelt, sondern auch den jüngeren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich jetzt keine fünf Spieler verpflichte. Wir werden mit der Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat, auch in die Saison gehen – vielleicht noch mit der einen oder anderen Verstärkung. Aber grundsätzlich wird dieser Kern die Saison spielen. Für den Verein ist es aber auch eine tolle Auszeichnung für die geleistete Arbeit. Ich persönlich gehe dem einen oder anderen vielleicht mal auf die Nerven. Aber ich weiß auch, dass gewisse Dinge unverzichtbar sind, um Erfolg zu haben. Für diesen Erfolg haben wir im Vorfeld sehr viel getan. Daher kann man dem Verein auch nur dankbar sein, dass er alles so ermöglicht hat. Zudem zeigt sich, was für Möglichkeiten der Klub auch im männlichen Handballbereich hat.

Sind die Spieler aus dem jüngeren Jahrgang denn schon so weit, um in der Bundesliga bestehen zu können, oder müssen sie noch sehr viel lernen?
Ich denke, wir haben da schon ein paar positive Beispiele. Niko Korda gehört zum Beispiel zum jüngeren Jahrgang. Ein Leonard Fischer wird auch ein ganz spannender Spieler für die Saison. Unser Rechtsaußen Bjarne Niemeyer aus dem Jahrgang 2002 wird ebenfalls ein interessantes Jahr mitnehmen. Mit Jonas Lüdersen haben wir einen Torwart, der jetzt gegen Magdeburg gut gehalten hat. Da ist auch noch ein Johannes Seliger, der bislang noch nicht so zum Zuge gekommen ist, aber ebenfalls ein interessanter Spieler ist. Er hat eine sehr starke Athletik. Wir haben ein paar ganz gute Leute, die aus der B-Jugend hochgekommen sind. Jetzt haben wir einen ganzen Sommer lang Zeit, sie auf die Bundesliga vorzubereiten. Am Ende wird jedoch vor allem die Spielzeit die Erfahrung und die Entwicklung bringen. Deshalb habe ich auch kein Interesse daran, zehn Jungs zu uns zu holen. Ich habe Interesse daran, die Jungs, die wir haben, zu entwickeln. Das sind Oytener oder Jungs aus der Region. Sie sollen das Gesicht der Mannschaft sein. So haben wir das im letzten Jahr auch gemacht.

Birgt die erneute Bundesliga-Qualifikation vielleicht aber auch die Gefahr, dass die Anhänger des TVO sie als selbstverständlich ansehen und in den kommenden Jahren erwarten?
Jedem, der denkt, unsere Erfolge seien eine Selbstverständlichkeit, fehlt vielleicht auch der Weitblick. Man muss da auch erwähnen, dass demnächst wohl eine Reform ansteht. Aktuell haben wir vier Bundesligen in Deutschland. Im nächsten Jahr soll es auf zwei reduziert werden. Deswegen, das sage ich jetzt mal, sind wir der letzte verbliebene Dorfklub in der neuen Liga. Egal, ob es für uns nun in die West- oder Nordstaffel geht. Grundsätzlich sind wir einer der letzten Mohikaner (lacht). Wenn die Reform wirklich kommt, reden wir über zwei Staffeln wahrscheinlich à zwölf Mannschaften. Und da muss man einfach sagen: Es wird mit diesem Konstrukt keinen THW Kiel oder keine Füchse Berlin mehr in der Pestalozzihalle geben. Deshalb ist jeder gut beraten, weiter hart zu arbeiten. Insbesondere gilt das für mich, weil ich der Trainer der Truppe bin. Aber ich weiß auch immer einzuordnen, dass die ganze Sache ein absoluter Wahnsinn ist, weil wir die Quali noch mal geschafft haben. Wir haben weiterhin kein Internat oder eine sportbetonte Schule im Hintergrund. Deshalb ist es so außergewöhnlich. Dieser Erfolg ist nur mit der Disziplin der Spieler möglich.

Sie sprechen die Staffeleinteilung bereits an. In der vergangenen Saison hat der TV Oyten im Norden gespielt. Wünschen Sie sich, jetzt in den Westen zu rutschen, um neue Mannschaften kennenzulernen?
Letztes Jahr hatte ich mir aufgrund der großen und klangvollen Namen der Bundesligisten auf jeden Fall den Norden gewünscht. Diesmal bin ich da ein bisschen neutraler. Ich würde mir vielleicht den Norden wünschen, weil dort noch immer die bekannteren Namen spielen. Gerade für Menschen, die nicht jeden Tag mit Handball zu tun haben. Wenn es in den Westen gehen würde, wäre es deshalb spannend, weil wir diese Gegner noch nicht bespielt haben. Aktuell würde ich aber sagen: Es ist mir absolut wurscht. Hauptsache ist, dass wir ein zweites Jahr im Oberhaus dabei sind. Das ist ein schönes Ergebnis harter Arbeit. Wir können es am Ende eh nicht beeinflussen. Wir nehmen es daher so, wie es kommt.

Quelle Achimer Kurier  -  Autor: Florian Cordes

05.06.2018, 09:11 Uhr Presseberichte

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Datum: 16.09.2018
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Halle: Kotter Str. 9, 42655 Solingen

JBLH: Nächstes Spiel

1.VfL Potsdam 1990 vs. TVO Vampires
Datum: 09.09.2018
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