"Es fühlt sich nicht nach Abschied an"

Die Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten werden am Sonntag gegen den Buxtehuder SV II letztmals von Sebastian Kohls gecoacht. Im Interview spricht Kohls über die vergangenen Jahr

Sonntag ist es nun so weit: Nach sieben Jahren sitzen Sie gegen den Buxtehuder SV II zum letzten Mal bei den Handballerinnen des TV Oyten in der 3. Liga als Trainer auf der Bank. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Sonntag denken?
Sebastian Kohls: Ich muss ehrlich sagen, gar nicht so viel. Für mich ist schließlich seit November klar, dass ich aufhöre. Ich freue mich darauf, dass die Saison zu Ende geht. Die Sache ist aber auch zweigeteilt. Ich hätte schon Lust, mit vielen Spielerinnen das ganze Ding weiterzumachen. Aber ich freue mich eben auch darauf, bald nicht mehr so viel Zeitaufwand zu haben. Und Erleichterung ist sicher auch dabei. Aber für mich ist das jetzt nicht ,der eine Sonntag‘. Dafür ist die Sache schon zu lange klar. Und da ich künftig wieder im Jugendbereich beim TV Oyten arbeite, ist es ja auch vielmehr eine personelle Veränderung im Verein. Als richtiger Abschied fühlt es sich nicht an.
Wie geht denn das Team damit um, dass Sie am Sonntag zum letzten Mal als Coach dabei sind?
Wir hatten schon ein bisschen unsere Schwierigkeiten. Was aber grundsätzlich der Tabellensituation und dem, was wir anbieten, geschuldet ist (der TVO belegt als Meister der Vorsaison nur den siebten Rang, Anm. d. Red.). Das ist nicht immer ganz einfach. Aber die eine oder andere Spielerin hat schon das Gespräch mit mir gesucht. Aber eigentlich haben alle Verständnis dafür.
Auf Ihr Abschiedsgeschenk freuen Sie sich aber schon?
Es gibt immer einen Bilderrahmen. Einen habe ich schon, ich war ja mal zwei Jahre lang Co-Trainer der Ersten Frauen. Damals habe ich einen kleinen Rahmen bekommen. Auf einen weiteren Bilderrahmen als schöne Erinnerung freue ich mich daher auch schon.


Sebastian Kohls sitzt gegen den Buxtehuder SV II zum letzten Mal bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten auf der Trainerbank

Wann kam bei Ihnen erstmals der Gedanke auf, in diesem Jahr Schluss zu machen, oder gab es den Gedanken früher schon öfter?
Ja, der war in den Jahren davor auch schon da. Ganz ehrlich versuche ich das immer von Saison zu Saison neu zu beurteilen. Nach dem ersten und zweiten Jahr kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich ernsthaft über das Aufhören nachgedacht hätte. Reflektiert habe ich mich aber schon. Die Antwort lautete aber immer: Ja, du machst weiter. Aber nach den jüngsten drei oder vier Spielzeiten bin ich immer mit mir ins Gericht gegangen, und es war auch nicht immer so ganz klar, dass ich weitermache.

Aber ein Vereinswechsel kam nie infrage?
Nicht wirklich. Jetzt ruft bei mir schon der eine oder andere Verein an, und da habe ich mich auch mit beschäftigt, ob das vielleicht etwas für mich wäre. Aber hier in Oyten hängt dann doch zu viel dran. Ich sehe ja auch die ganzen Jugendlichen, die nachkommen. Im Jugendbereich habe ich hier früher schon viel gemacht und weiß daher, auf was ich mich einlasse.

Natürlich ist das Ende einer Ära immer ein Grund, um zurückzublicken. Was waren die schönsten Momente, die hängen geblieben sind? Die beiden Meisterschaften klammern wir mal aus.
Die Meisterschaften ausgeklammert?
Das wäre ja sonst Ihre Antwort gewesen..
.
Man muss ja schon sagen, dass es größtenteils erfolgreiche Zeiten waren. Hinzu kamen dann noch zwei schwierige Jahre. Schön war zu sehen, dass nach jeder Saison der Kader weiter erneuert wurde. Wir haben immer auf Jugendliche und viele Nachwuchsspielerinnen aus dem eigenen Verein gebaut. Viele Menschen waren da auch skeptisch und haben das ganze Ding abschmieren gesehen. Aber wir haben trotzdem immer wieder eine Spitzenmannschaft geformt – und zwar mit vielen Talenten. Das ist eine schöne Sache.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass Sie mit Lisa Bormann-Rajes eine Bundesligaspielerin geformt haben.
Ja, natürlich. Lisa hat es dann ja auch zur Stammspielerin geschafft (Bormann-Rajes war drei Jahre beim Erstligisten HSG Blomberg-Lippe unter Vertrag, Anm. d. Red.). Sie ist schon eine Erfolgsgeschichte. Auch dass sie wieder zurückgekommen ist und alles wieder mitmacht, ist eine tolle Sache.
Wenn es schöne Momente gegeben hat, muss es doch sicher auch schlimme gegeben haben?
Dazu gehören sicher die Kreuzbandverletzungen von Anna-Lena Meyer und im Grunde alle schlimmen Verletzungen. Das waren überhaupt keine schönen Momente. Gerade bei Anna-Lena, als das zweite und dritte Mal die Gewissheit der Verletzung da war. Das ist Mist. Das braucht niemand. Aber auch die ungewohnte Situation damals und in diesem Jahr, als man erst einmal genügend Punkte für den Klassenerhalt sammeln musste, ist so eine Ausnahmegeschichte, die nicht unbedingt zum Tagesgeschäft gehörte.
Blicken wir kurz auf die aktuelle Saison, die Sie schon angesprochen haben. Wenn man als Titelverteidiger erst am drittletzten Spieltag den Klassenerhalt perfekt macht und am Saisonende wahrscheinlich Siebter wird, können Sie die Serie sicher nicht als erfolgreich ansehen, oder?
Nein. Diese Saison ist definitiv kein Erfolg. Als wir 2015 Achter geworden sind, war das ein bisschen was anderes. Da hatten wir einen Umbruch im Kader und sind dann auch schnell wieder erfolgreich geworden. Ich bin auch überzeugt davon, dass die Truppe in der neuen Saison wieder erfolgreich sein wird. Aber dieses Jahr ist nicht gut verlaufen. Ich bin auch selbst mit mir nicht zufrieden. Mit der gesamten Performance von uns bin ich nicht einverstanden. Das sollte man auch nicht darauf schieben, dass wir ein paar Neuzugänge hatten. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass dieser Kader einen Hauch stärker ist als der, der letzte Saison die Meisterschaft gewonnen hat. Wenn ich Zu- und Abgänge sowie die Entwicklung der Spielerinnen sehe, hätten wir unter den ersten drei Mannschaften mitspielen müssen.
Hat vielleicht auch der Hunger gefehlt, insbesondere bei den erfahrenen Spielerinnen?
Auf jeden Fall. Da haben wir im Laufe der Saison ja schon drüber gesprochen. Gerade zu Anfang, als die Frage aufkam, warum wir die Punkte nicht holen. Es kommen viele Dinge zusammen. Handball ist nun mal ein Mannschaftssport, bei dem alles passen muss. Der Hunger ist da sicher ein Thema. Ich habe mir während der Vorbereitung nicht vorwerfen können, dass wir von den Trainingsinhalten zu wenig gemacht haben. Wenn man dann aber die Punkte nicht einfährt, fehlen die letzten Meter im Sprint. Der Biss fehlt. Das Feuer fehlt. Dieses völlige Verausgaben fehlt. Spielerisch haben wir auch nicht so richtig reingefunden. In der Abwehr haben wir zum Beispiel viel gebastelt. Aber wir haben auch verhältnismäßig wenige Tore geworfen. Ganz vorne weg ist da aber die Trainingsbeteiligung. Es gibt viele Spielerinnen, auf die immer mehr einprasselt. Zum Beispiel haben wir zwei junge Spielerinnen, die im Abi-Stress stecken. In der Hinrunde haben wir oft nur in einer kleinen Gruppe trainiert.
Ich denke aber, dass Ihnen dennoch etwas einfällt, das in dieser Saison positiv war?
Da ist natürlich die Entwicklung junger Spielerinnen. Liv Süchting ist in diesem Bereich etwas ganz Positives. Sie ist als A-Jugendliche aus dem jüngeren Jahrgang (Doppelspielrecht bei der HSG Nienburg, Anm. d. Red) bei uns angekommen. Im ersten halben Jahr hat sie sich noch herangetastet, danach ist sie im Grunde Stammspielerin geworden. Victoria Otten hat sich auch toll gemacht. Die Entwicklung von Franca Jakob ist ebenfalls super.
Im Sommer übernimmt dann Jörg Leyens die Mannschaft. Wie sicher sind Sie sich, dass er Ihre Arbeit erfolgreich fortsetzt?
Da bin ich mir sicher. Jörg ist erfahren. Er kennt das hier, kann kommunizieren und gut mit den Mädels umgehen. Davon bin ich überzeugt. Für ihn ist wichtig, dass er die Spielerinnen dahin bekommt, dass sie sich im Training verausgaben und an die Grenzen gehen sowie die Aggressivität wieder zu formen. Das wäre auch auf mich zugekommen, hätte ich weitergemacht.
Aber Sie hatten nie das Gefühl, dass das Team keinen Bock mehr hatte, unter Ihnen zu trainieren?Keinen Bock wäre zu hart gesagt. Aber es gibt schon Abnutzungserscheinungen. Man hört sich ja auch selbst, wenn man die Platte immer wieder zurückstellt. Dann siehst du es auch in den Gesichtern: Ja, weiß ich selbst, das sagst du jetzt die letzten vier Jahre. Man kann das Spiel halt nicht neu erfinden. Das nutzt sich dann schon ab.
Können Sie sich denn vorstellen, irgendwann wieder im höherklassigen Frauenbereich zu trainieren?
Ich habe nie einen Masterplan gehabt. Ich bin bei meinen Aufgaben immer irgendwie von der einen zur anderen gekommen. Den Plan, in Oyten eine Drittliga-Mannschaft zu trainieren, hatte ich nie. Aber: Sag niemals nie. Jetzt will ich jedoch erst einmal weniger Zeit investieren und mich um andere Sachen kümmern. Ich plane nicht für die nächsten drei, vier Jahre. Jetzt freue ich mich auf die Jugendlichen, auf zwei Trainingseinheiten in der Woche und einen deutlich kleineren Radius an den Wochenenden.
Was wollen Sie denn in Ihrer gewonnenen Freizeit so machen?
Auch das plane ich nicht. In den ganzen Jahren ist aus dem Hobby, Trainer zu sein, doch viel Druck entstanden. Diesen Druck will ich jetzt erst einmal rauslassen und entspannter werden.
So ganz ohne Handball geht es bei Ihnen dann aber auch nicht. Sonst würden Sie nicht die Traineraufgabe im Jugendbereich übernehmen.
Wie schon gesagt: Hier in Oyten hängt eine Menge dran. Es ist ein geiler Verein. Ich habe auch darüber nachgedacht, ganz rauszugehen. Aber das wäre schon komisch und schwierig. Mit einem guten Trainerteam – wir werden fünf Trainer für die weibliche A- und B-Jugend sein – kann ich mich auch mal rausnehmen. Und da habe ich dann auch Bock drauf

.Zur PersonSebastian Kohls

ist seit sieben Jahren Trainer bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten. Zuvor stand er schon als Co-Trainer bei dem Team an der Seitenlinie und coachte davor beim TVO in der Jugend. Seine größten Erfolge mit der Ersten Frauen waren die Drittliga-Meisterschaften in den Jahren 2013 und 2017. Nach dieser Saison geht er zurück in den Jugendbereich. Zuvor steht aber das letzte Spiel für Kohls an. Zum Ausklang empfangen die „Vampires“ den Tabellenzweiten Buxtehuder SV II (Anpfiff: Sonntag um 17 Uhr) in der Pestalozzihalle.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

20.04.2018, 18:35 Uhr Presseberichte

3. Liga: Nächstes Spiel

HSV Solingen-Gräfrath 76 vs. TVO Vampires
Datum: 16.09.2018
Uhrzeit: 17:00 Uhr
Halle: Kotter Str. 9, 42655 Solingen

JBLH: Nächstes Spiel

1.VfL Potsdam 1990 vs. TVO Vampires
Datum: 09.09.2018
Uhrzeit: 16:00 Uhr
Halle: Zeppelinstr. 114-117, 14468 Potsdam

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