„Ich gehe auch mit mir hart ins Gericht“

Handball A-Jugend-Bundesliga

Thomas Cordes, Coach der A-Jugend des TV Oyten, spricht im Interview über den bisherigen Saisonverlauf, die Zukunft der Truppe, und was er von einer Kooperation mit der SG Achim/Baden hält.

Im letzten Spiel des Jahres haben Sie mit Ihrem Team beim TSV Sieverstedt mit 25:26 verloren. Das 26. Tor erzielte der TSV zwei Sekunden vor dem Schlusspfiff. Mit ein wenig Abstand zur Partie: Haben Sie die bittere Niederlage mittlerweile verdaut?
Thomas Cordes: Definitiv war das bitter. Aber einen Tag später war es erledigt. Natürlich muss man das in Ruhe aufarbeiten. Direkt nach dem Spiel fallen einem viele Sachen auf und ein. Es ist aber meine Art, die berühmte Nacht drüber zu schlafen und zu gucken, woran es gelegen hat. Das Empfinden nach dem Spiel, was zur Niederlage geführt haben könnte, stimmt meistens aber schon. Das war im Fall Sieverstedt die Umstellung der Abwehr bei den Gastgebern auf eine 4:2-Deckung. Und auf unserer Seite war die Verletzung von Robin Hencken ganz, ganz bitter. Ob er am Ende der Faktor zum Sieg für uns gewesen wäre, ist schwierig zu sagen. Aber er war gut im Spiel. Er hätte uns sicher weitergeholfen.Wenn Mohamed-Aljawaad Sibahi ausfällt, bekommt Oyten gleich Probleme. (Björn Hake)

Für Ihr Team war es nicht die erste knappe Niederlage, hinzu kommt noch das Unentschieden zu Hause gegen die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg. Wie geht Ihre Mannschaft mit diesen Spielen um, in denen sie nur knapp am Sieg vorbeischrammte?
Im ersten Moment sind knappe Niederlagen natürlich negativ. Man muss jedoch auch klipp und klar sagen, dass wir vollkommen zu Recht in dieser Liga sind und die Mittel haben, andere Mannschaften zu schlagen. Besonders nach Spielen wie gegen Sieverstedt, die hinten raus ärgerlich verlaufen, muss ich sehen, die Truppe schnell wieder aufzubauen. Es ist aber festzuhalten, dass wir in solch einem Spiel, das auf Augenhöhe geführt wird, zu lange brauchen, um uns auf eine neue Spielsituation einzustellen. Dazu müssen wir deutlich schneller in der Lage sein. Das funktioniert auf der einen Seite mit Erfahrungswerten. Auf der anderen Seite müssen wir nach der guten Halbserie mitnehmen, dass wir im Rückraum Schwierigkeiten bekommen, wenn nicht alle Spieler zur Verfügung stehen. Ich kann nicht verlangen, dass alle immer an ihr Limit gehen. Wenn ein Spieler nicht die berühmten 120 Prozent geben kann, brauchen wir den nächsten Spieler. Das hat uns einst in der Aufstiegsrunde starkgemacht. Da haben wir derzeit in der Breite schon die Probleme, das immer hinzubekommen. Niclas Hafemann hat uns für sechs Spiele gefehlt, Mohamed Sibahi fehlt uns seit sechs Spielen. Das sind Ausfälle im Rückraum, durch die
uns Alternativen und Spielideen fehlen.Thomas Cordes steht mit dem TV Oyten zwar im Tabellenkeller, ist mit dem Saisonverlauf aber nichtsdestotrotz zufrieden. (Björn Hake)

Aber trotzdem fällt Ihr Fazit nach 13 Spielen in der Bundesliga positiv aus?

Das ist nach wie vor so. Da müssen wir uns keinen größeren Kopf drüber machen. Natürlich analysiere ich, wie kann es besser werden. Ich gehe auch mit mir hart ins Gericht, ob ich alles richtig gemacht habe. Am Ende des Tages ist die Liga für uns alle neu. Wir haben jetzt fünf Punkte, hätten unter dem Strich aber auch mit dem einen oder anderen Spieler mehr und dem nötigen Glück fünf Zähler mehr haben können.Hat sich ein Spieler in Ihren Reihen besonders entwickelt oder ist es die Mannschaft im Ganzen, die einen Sprung nach vorne gemacht hat?Ich habe mir vor Kurzem noch einmal die Partien aus der Aufstiegsrunde angeschaut. Da sieht man jetzt schon eine komplette Weiterentwicklung, mannschaftlich gesehen. Individueller Natur würde ich behaupten, dass jeder Spieler einen Schritt nach vorne gemacht hat. Natürlich haben wir auch Jungs, die nicht so viel Einsatzzeiten hatten, was für diese Liga aber auch nicht untypisch ist – vielleicht sogar normal. Diese Jungs nehmen das Thema Bundesliga an sich mit. Ich glaube aber schon, dass wir im athletischen Bereich deutliche Schritte nach vorne gemacht haben. Bei der körperlichen Entwicklung sind wir auf dem richtigen Weg. Wobei wir noch nicht da sind, wo ich gerne hinkommen möchte. Aber das liegt auch an unserer Trainingssituation. Ich kann mit den Jungs nicht vormittags trainieren. Das haben uns die Topteams voraus.

Mit welchen Zielen gehen Sie ins neue Jahr? Wollen Sie zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Punkten holen?

Also mit Punkten tue ich mich ein bisschen schwer. Wir haben noch ein paar interessante Heimspiele vor uns. Gerade zu Hause haben wir gezeigt, dass wir eine Mannschaft sind, die für alles gut ist. Die bisherigen Heimspiele waren von uns gut geführt: Einen Sieg gegen Bad Schwartau bekommt man zum Beispiel nicht geschenkt. Wenn Sieverstedt zu uns kommt, wollen wir alles versuchen, um die Niederlage wettzumachen. Erst mal starten wir mit dem Derby gegen Bookholzberg. Das wird für alle interessant. Wir streben schon an, in dieser Saison auswärts zumindest ein Spiel zu gewinnen. Da ist Bookholzberg sicher eine Option. Ich denke ansonsten: Wir müssen unseren Weg so weitergehen und auch den Fokus auf die erneute Aufstiegsrunde im Hinterkopf behalten.Was nehmen Sie persönlich für Ihre Zukunft als Trainer aus dieser Saison mit?Erstens macht das Ganze unheimlich viel Spaß. Das ist auch dem geschuldet, dass unsere Heimspiele unheimlich gut besucht sind. Wir haben einen Zuschauerschnitt von 300. Sportlich gesehen ist es so, dass alles deutlichst mehr Tempo beinhaltet und es deutlichst mehr auf Kleinigkeiten ankommt. Das ist eine Erfahrung, die man mitnimmt. Das möchte ich aber derzeit auch nicht missen. Wir sind auf einem Niveau unterwegs, das einfach nur Spaß macht. Natürlich ärgert mich eine Niederlage wie die vom Wochenende, aber auch da nimmt man viel mit. Man hat als Trainer deutlichere Merkmale, wie es zu Siegen und Niederlagen kommt.Schauen wir kurz nach vorne: Einige Jungs werden nach der Saison in den Herrenbereich wechseln.

Sprechen Sie mit Ihren Spieler darüber? Es könnte sicherlich auch der eine oder andere Vereinswechsel im Raum stehen.

Ich spreche mit den Jungs nur bedingt über dieses Thema. Natürlich holen sie sich mal einen Rat ein. Da ist das Vertrauen schon sehr groß. Da kommt natürlich auch mal die Frage, wie ich gewisse Schritte sehe oder bewerten würde. Letztendlich ist es aber eine Entscheidung, die sie selbst treffen müssen. Ich denke, es ist nicht unrealistisch, wenn ein junger Spieler aus der Jugend-Bundesliga, der womöglich auch zu den Leistungsträgern zählt, viele Angebote auf dem Tisch liegen hat. Er muss für sich aber auch sehen, wie das in die Lebensplanung passt, wenn ich da an Schule, Ausbildung oder Studium denke. Mehr, als dass sie sich einen Rat einholen, ist da aber nicht. Ich bin ja auch nicht deren Manager (lacht). Viel mehr muss ich mir über die Feiertage Gedanken machen, wie es bei uns mit der A-Jugend in der neuen Saison weitergeht.

Aber derzeit gibt es mit Noah Dreyer, Max Borchert und Malte Meyer Oytener Spieler, die beim Oberligisten SG Achim/Baden mittrainieren. Ist das vielleicht ein erster Schritt einer echten Zusammenarbeit der beiden Vereine?

Ich bin immer offen, wenn es um eine vernünftige und gute Entwicklung junger Spieler geht. Die Geschichte mit Achim ist aber auch ein bisschen mit Eigeninteresse verbunden, weil ich eine Weiterentwicklung meiner Spieler benötige. Und ganz ehrlich: 80 Prozent unserer Gegner, vielleicht auch ein bisschen weniger, spielen regelmäßig in der 3. Liga oder in der Oberliga. Da ist das ganz normal. Für uns ist das hingegen Neuland. Da müssen kreative Lösungen gefunden werden. Achim ist für mich auch ein Ansprechpartner, weil es ja eigentlich nichts Schöneres gibt, als wenn die jungen Spieler aus unserer Region auch im Erwachsenenbereich ihren Weg in der Region finden. Wenn man nach Achim schaut, ist der Herren-Handball dort noch immer ein ganz großer und wird gut frequentiert. Wie es im kommenden Jahr, zum Beispiel in Noahs oder Maltes Fall, aussieht, kann ich nicht beurteilen. Das ist auch eine Sache, die nicht auf der Trainerebene zwischen Tobi (Tobias Naumann, Trainer der SG Achim/Baden, Anm. d. Red) und mir stattfindet. Das ist eher eine Sache, bei der sich die beiden Vereine überlegen müssen, ob eine Zusammenarbeit jetzt mit einer ganz zarten Pflanze anfängt (schmunzelt).

Die Zuschauerzahlen in Achim und Oyten zeigen, dass der Handball im Kreis Verden noch immer sehr wichtig ist. Die Menschen scheinen großes Interesse an Spitzen-Handball zu haben. Wäre eine Zusammenarbeit daher nicht umso wichtiger?

Handball hat eine große Tradition bei uns im Kreis und ist weiterhin ein Zuschauermagnet. Es wird ja auch guter Sport geboten. Die Achimer spielen einen super Handball. Sie spielen in einer saustarken Liga, die unglaublich spannend ist. Was Sie aber vollkommen zu Recht sagen, ist, dass es in beiden Hallen eine gute Resonanz für unseren Sport gibt. Es wäre schade, wenn die Möglichkeiten, die beide Vereine haben, in Zukunft nicht ein bisschen zusammen und gemeinschaftlich genutzt würden. Diese erste Sache, die wir jetzt begonnen haben, kann aber nur das von mir genannte kleine Pflänzchen sein.

Kommen wir zurück zum TV Oyten: Wie sicher sind Sie sich, dass die jetzige Bundesliga-Saison keine einmalige Sache ist?

Da bin ich mir gar nicht sicher. Da mache ich auch keinen Hehl draus. Wir haben grundsätzlich eine Voraussetzung – auch für die kommende Aufstiegsrunde –, die nicht schlecht ist. Es gab in der Vergangenheit aber auch mahnende Beispiele. Wenn irgendjemand meint, das wird ein Selbstläufer, kann man auch schnell Pech haben. Wir sehen ja auch bei uns die Situation: Wenn es vor dem Aufstiegsturnier ein, zwei Verletzte geben sollte, kann so ein Turnier auch sehr schwierig werden. Da mache ich mir nichts vor. Jetzt geht es aber darum, dass uns die Spieler erhalten bleiben und alle bestens für die Aufstiegsrunde vorbereitet werden. Im besten Falle schaffen wir es erneut in die Bundesliga. Wir müssen aber auch im Kopf haben, was passiert, wenn es nicht klappt. Und das ist ein strukturelles Thema, bei dem der Verein gefragt ist. Wir haben aber gute Voraussetzungen. Ich halte mich jedoch lieber bedeckt. Schließlich muss jede Aufstiegsrunde erst einmal gespielt werden.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes

23.12.2017, 15:00 Uhr Presseberichte

3. Liga: Nächstes Spiel

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Datum: 23.09.2018
Uhrzeit: 17:00 Uhr
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JBLH: Nächstes Spiel

SG HC Bremen/Hastedt vs. TVO Vampires
Datum: 23.09.2018
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