"Das Feuer wird wieder da sein"

Handball-Bundesliga A-Jugend

Der TV Oyten hat eine aufregende Premierensaison hinter sich. Im Interview lässt Coach Thomas Cordes die Spielzeit nochmals Revue passieren und spricht darüber, was er anders machen würde.

Herr Cordes, die Premierensaison in der A-Jugend-Bundesliga ist Geschichte. Am Ende ist es der zehnte von zwölf Plätzen geworden. Am letzten Spieltag war aber noch Rang acht möglich, wäre der HC Empor Rostock besiegt worden. Zur Pause sah es bestens aus, als die Schlusssirene ertönte, stand aber eine Niederlage zu Buche. Wie bitter war dieser Abschluss?
Thomas Cordes: Mit ein bisschen Abstand nicht mehr ganz so bitter wie im ersten Moment. Natürlich hätten wir gerne gewonnen, und es ist immer schade, wenn man sich so aus der Saison verabschiedet. Aber das ist nur im ersten Moment schlimm, im Gesamten können wir einfach nur stolz auf das Erreichte sein.
Ist diese Saison mit einer anderen zu vergleichen? Immerhin gaben sich in Oyten über die Saison hinweg die ganz großen Namen des Handballs wie THW Kiel, SC Magdeburg oder Füchse Berlin die Klinke in die Hand.
Nein. Was wir hatten, war einmalig. So etwas hatte es zuvor im Landkreis noch nicht gegeben. Das ist ein Highlight in jeder Laufbahn. Und jeder wird feststellen, auch wenn es bei manchen noch dauern wird, das dies etwas Einmaliges war. Für mich ist das noch ähnlich mit der Zeit als Spieler bei der SG Achim/Baden in der 2. Bundesliga. Vor allem gilt das für die Professionalität und das Umfeld mit den wahnsinnig gut besuchten Heimspielen und der tollen Atmosphäre in der Halle.
So aufregend und besonders die Saison war, so anstrengend dürfte sie auch gewesen sein. Sind Sie daher auch froh, dass sie nun vorbei ist?
Der Großteil meiner Trainerkollegen in der Liga macht das hauptberuflich. Für mich kommt das neben meinem 40- bis 50-Stunden-Job noch on top. Daher ist es für mich schön, wenn ich mal eine Woche nicht in die Halle muss und etwas abschalten kann. Richtig abschalten kann ich aber im Grunde auch nicht, das geben die Vorbereitungen auf die Qualifikationsspiele für die nächste Bundesliga-Saison nicht her. Den Jungs tut es aber auch mal gut, den Kopf über Ostern frei vom Handball zu bekommen, denn wir haben vor rund einem Jahr begonnen und seitdem im Grunde stumpf durchtrainiert. Wer nicht verletzt war, der hatte auch keine wirkliche Pause. Das hat man am Ende auch gemerkt, da war die ganz dicke Luft raus, und eine kleine Müdigkeit schlich sich ein. Wenn ich an die Spiele gegen den HSV und Berlin denke, da fehlten die letzten Körner. Aber das ist normal.


Derzeit ist bei Thomas Cordes etwas die Luft raus, aber das wird sich bald wieder ändern.

Vier Siege, zwei Unentschieden, 16 Niederlagen – so liest sich die Bilanz des TV Oyten. Wie lautet ihr Saisonfazit?
Wir haben eine gute Saison gespielt und uns entwickelt. Wir können mit einer breiten Brust aus der Saison gehen, obwohl wir mit Unsicherheit in sie gegangen sind, da wir nicht wussten, wo wir stehen würden. Wir haben uns nicht Woche für Woche abschlachten lassen und haben auch viele tolle Spiele gezeigt, die wir am Ende verloren haben. Auch bei perfektem Verlauf aller Spiele und ohne unsere ganzen Verletzten wäre realistisch gesehen nicht mehr als Platz sieben möglich gewesen. Die ersten Sechs sind noch einen Schritt weiter.

Was war der Höhepunkt der Saison, war es der Heimsieg gegen den THW Kiel?
Kiel war in mehrfacher Hinsicht das Highlight. Das ist ein wahnsinniger Name, auch wenn die Jugend jetzt nicht ganz so stark war wie etwa die der Füchse Berlin. Dennoch bleibt so etwas hängen. Vielleicht auch noch mehr, weil ich Kiel-Anhänger bin (lacht). Aber auch das Spiel in Magdeburg wird sehr im Gedächtnis bleiben. Fünf Tage Kienbaum, dann das Spiel beim großen SCM, und wir spielen wahnsinnigen Handball. Beinahe hätten wir noch einen Punkt geholt.

Auf den Trainerbänken der A-Jugend-Bundesliga sitzen auch Coaches mit Rang und Namen. Konnten Sie sich etwas abschauen?
Während der Spiele hat man dafür keine Zeit, da zählt nur die eigene Mannschaft. Aber generell wäre es interessant, mal mehr Zeit mit solchen Leuten wie Klaus-Dieter Petersen zu verbringen. Mit Bob Hanning konnte ich das schon in der Zeit bei der Niedersachsen-Auswahl. Was der alles an Handball im Kopf hat, ist unglaublich. Abgucken wäre also schön, während der Saison aber schwierig. Ich nehme aber mit, dass das Thema Athletik ein ganz großes ist. In manchen Spielen war wir nur in der Athletik schlechter, was aber ebenso wie unser Potenzial im Tempospiel auch auf den Trainingsaufwand zurückzuführen ist. Zudem werden Fehler in dieser Liga einfach brutal bestraft.

Wenn Sie könnten, würden Sie etwas anders machen?
Gute Frage, das ist schwer zu sagen. Ich würde nicht direkt etwas ändern, da wir uns schon auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Im Großen und Ganzen machen wir viel richtig, an zwei, drei Stellschrauben würde ich aber schon noch drehen. In der nächsten Saison widme ich mich mehr dem Thema der Analyse in Bezug auf die individuelle Belastung der Spieler.

Blicken wir in die Zukunft: Mit Noah Dreyer, Malte Meyer, Bastian Tellermann, Leon Thalmann, Sören Hassing und Niclas Hafemann verlassen den TVO sechs Spieler. Neben den eigenen B-Jugendlichen, wird es externe Zugänge geben?
Mit Nico Korda aus Leipzig und Hannes Grittner, der bisher ein Zweitspielrecht besaß, haben wir zwei qualitativ gute Zugänge. Zudem bin ich noch mit dem einen oder anderen Spieler im Gespräch, das entscheidet sich bald.

Am 26. und 27. Mai steht das Qualifikationsturnier zur Bundesliga-Saison 2018/2019 an. Wird es schwieriger, die Spieler zu motivieren, noch mal solch ein Jahr voller Anstrengungen auf sich zu nehmen? Und wie ist es um Ihre Motivation bestellt?
Es darf nur niemand glauben, dass es ein Vorteil ist, dass wir es letzte Saison geschafft haben. So blöd es sich anhört, so ein Turnier hat seine eigenen Gesetze. Wir müssen demütig an die Sache herangehen. Jeder Spieler muss das mitnehmen, und jeder Spieler muss wieder alles investieren, damit sich dieser Traum ein zweites Mal erfüllt. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Leistung im Mai auf die Platte bekommen. Aber es wird spannend, auf uns warten wieder richtig starke Mannschaften. Zudem waren wir letztes Mal unbekümmert, nun haben wir den Anspruch, es zu wiederholen. Aber es ist noch mal eine wahnsinnige Chance, vielleicht sogar die letzte, bedenkt man die Strukturreform, die in der Schublade liegt. Was mich betrifft, ich will jetzt erst mal abschalten, aber ich brenne darauf, noch ein Jahr Bundesliga zu spielen. Das Feuer wird dann genauso da sein wie letztes Jahr.

Quelle: Achimer Kurier  -  Autor: Patrick Hilmes

28.03.2018, 12:25 Uhr Presseberichte

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