„Ich war im Tunnel“

Jana Kokot über Topspiel Oyten-Henstedt-Ulzburg

Jana Kokot (26) ist Kreisläuferin bei den Drittliga-Handballerinnen des TV Oyten. Im Gipfeltreffen mit dem SV Hen-stedt-Ulzburg stellte Kokot zudem unter Beweis, dass sie eine echte Führungsspielerin ist. Mit ihrem verwandelten Siebenmeter rettete sie dem TVO nicht nur einen Punkt. Durch ihre Nervenstärke geht Oyten als Tabellenführer in den letzten Spieltag und kann am Sonnabend beim HSV Minden-Nord sein Meisterstück machen.



Sie haben gegen den SV Henstedt-Ulzburg mit ihrem verwandelten Siebenmeter dem TV Oyten einen Punkt und somit die Tabellenführung gerettet. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vor dem Tor standen und auf den Pfiff der Schiedsrichter gewartet haben?

Jana Kokot: Um ehrlich zu sein: Es ging mir nichts durch den Kopf. Ich war im Tunnel. Ich habe nur wenig davon mitbekommen, was um mich herum passierte. Vor der Ausführung hatte ich noch kurzen Augenkontakt mit der Bank. Zudem hat mir Sebastian Kohls (Trainer des TV Oyten, Anm. d. Red.) versichert, dass ich das Ding auch rein mache. Danach habe ich an nichts mehr gedacht. Zudem hat mir der erste Siebenmeter, den ich wenige Augenblicke zuvor verwandelt habe, schon sehr viel Selbstvertrauen gegeben.

Aber haben Sie nicht eine Sekunde daran gedacht, dass die Meisterschaft für Ihr Team wohl verloren gegangen wäre, wenn Sie scheitern?

Nein, überhaupt nicht. Auch fünf Minuten nach dem Abpfiff hatte ich noch gar nicht so richtig auf dem Schirm, wie für uns jetzt die Ausgangssituation im Titelrennen ist. Ich dachte zunächst, dass uns ein Unentschieden nicht reicht, um Tabellenführer zu bleiben (lacht).

Wenn wir schon bei Ehrlichkeit sind: Haben Sie noch an ein Unentschieden geglaubt? Schließlich hat Henstedt-Ulzburg 35 Sekunden vor dem Abpfiff noch mit 30:28 geführt.

Kurz vor dem Ende hat es ja noch eine Auszeit gegeben. Ich habe dann zu den Mädels in die Runde gesagt, dass der Sport dafür da ist, um außergewöhnliche Geschichten zu schreiben. Dass das Unentschieden dann aber auf diese Art und Weise zustande gekommen ist, war schon wie in einem Märchen. Dennoch habe ich bis zum Schluss an einen Punkt geglaubt. Wir haben in dieser Saison schon mehrmals solche Partien noch gewuppt, zum Beispiel das Heimspiel gegen Jörl (Oyten siegte mit 33:32, Anm. d. Red). Wenn wir es als Mannschaft gemeinsam anpacken, sind wir fast unbesiegbar.

Gegen den SV Henstedt-Ulzburg musste Ihre Mannschaft auf Lisa Bormann-Rajes verzichten. Wie sehr hat die Linkshänderin gefehlt?

Über die rechte Angriffsseite sind wir schon blasser geblieben als sonst. Natürlich fehlt uns Lisa da. Schließlich ist sie eine gestandene Spielerin mit Bundesligaerfahrung. In Harrislee hatte es Patricia Lange auf Rechtsaußen wirklich gut gemacht. Jetzt hatte sie es ziemlich schwer, genauso wie Karina Zitnikov. Aber insgesamt war unser Spiel ziemlich schwerfällig. Henstedt hatte auch mich am Kreis sehr gut im Griff, sodass daher viel über Jacqueline Nowak und Denise Engelke ging.

Jetzt geht es am letzten Spieltag zum HSV Minden-Nord, der noch gegen den Abstieg kämpft. Auf dem Papier ist Oyten Favorit.Wäre es aber nicht einfacher, wenn man bei einer Mannschaft um die Meisterschaft spielt, für die es um nichts mehr geht?

Das wird in Minden eine ganz heiße Nummer. Die werden hochmotiviert sein. Zudem fahren wir nicht in Bestbesetzung dort hin. Neben Marielle Juricke und Lisa Bormann-Rajes werde auch ich fehlen, weil ich zu einer Hochzeit in meiner Familie muss. Natürlich wäre ich gerne in Minden dabei. Aber die Familie geht in diesem Fall vor.

Angenommen Oyten gewinnt die Meisterschaft. Welchen Stellenwert hätte der Titel für Sie? Immerhin haben Sie mit Borussia Dortmund in der zweiten Bundesliga Vize-Meisterschaft und Aufstieg gefeiert.

Für mich wäre es der erste Titelgewinn in der 3. Liga überhaupt. Aus diesem Grund hätte er einen sehr hohen Stellenwert für mich. Wir haben ein tolles Team und ein super Team um das Team. Wir hätten den Gewinn der Meisterschaft verdient. Für mich wäre es zudem doppelt schön, weil ich mit der weiblichen A-Jugend des TV Oyten schon den Titel in der Verbandsliga gewonnen habe. Ich würde die Meisterschaft aber nicht mit dem Aufstieg mit Dortmund vergleichen. Solche Erlebnisse sind immer schön. So was will man als Sportler erleben.

Sebastian Kohls hat nach dem Spiel gegen Henstedt erklärt, dass der TV Oyten ein mögliches Aufstiegsrecht nicht annehmen will. Ist das die richtige Entscheidung?

Ich denke, es ist die vernünftigste Entscheidung – in Anbetracht dessen, dass die zweite Liga eingleisig ist. Wir hätten dort nur wenige Gegner aus dem Norden. Man müsste sehen, wo die Nachhaltigkeit ist. Das sehe ich in Oyten nicht. Wir haben in der Mannschaft zu viele Leute, die fest im Beruf stehen. Der Aufwand wäre nicht zu wuppen. Sollte die zweite Liga wider Erwarten wieder zweigleisig werden, sähe die Sache wohl anders aus. Dass es ein Interesse an Spitzenhandball gibt, hat man anhand der vielen Zuschauern gegen Henstedt gesehen. Die Region ist sportbegeistert.

Quelle: Achimer Kurier - Autor: Florian Cordes.

25.04.2017, 14:57 Uhr Presseberichte

Nächstes Spiel

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Datum: 17.09.2017
Uhrzeit: 15:00 Uhr
Halle: Pestalozzistraße 10, 28876 Oyten

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