Oyten. Der TV Oyten musste gestern erneut als Aufbaugegner für den SV Union Halle-Neustadt herhalten. Mit dem 35:28 (14:11) gegen die Zweitbundesliga-Handballerinnen aus dem Landkreis Verden holten sich die Saalestädterinnen ihre ersten Punkte im Jahr 2010. Beim 24:25 im Hinrundenvergleich in der Oytener Pestalozzihalle hatte es sich um den ersten Saisonsieg überhaupt für die Hallenserinnen gehandelt.
Die Gastgeberinnen mussten erneut auf ihre nicht nur beim Hinspiel in Oyten überragende Torhüterin Janice Fleischer verzichten (Kreuzbandriss), doch anders als eine Woche zuvor, als es bei Tabellenführer Rosengarten eine 27:31-Niederlage gab, trafen sie gestern auf einen Gegner, der sich zu sehr auf das Können einer einzigen Solistin verließ beziehungsweise verlassen musste. Jacqueline Reinhold, in dieser Saison die überragende Werferin in der 2. Bundesliga Nord, verbuchte gestern zwar weitere 13 Treffer auf ihrem Konto, doch von ihren Nebenspielerinnen kam auch für den Geschmack Sascha Rajkovic' insgesamt zu wenig. "Jacky alleine konnte es nicht richten. Gegen einen solchen Gegner müssen mehr Spielerinnen Verantwortung übernehmen. Die Hallenserinnen waren wesentlich ausgeglichener besetzt", gab der Serbe unumwunden zu.
Er ist mit seiner Mannschaft nun gehörig unter Druck geraten. Der Abstand zu den drei Abstiegsplätzen ist beunruhigend gering. Am nächsten Sonntag geht es zum Tabellenletzten HCE Rostock, und da steht Oyten mit dem Rücken zur Wand. Rajkovic: "Wir müssen gewinnen!" Jana Kokot nutzt ihre Chance Jacqueline Reinhold wurde auch in Halle kurzgedeckt, nachdem der Trainer der "Wildcats" lange genug mitangesehen hatte, wie die Alleinunterhalterin im linken Rückraum seine Abwehr regelrecht zerlegte. Doch nur Jana Kokot, die mittlerweile Julia Züter am Kreis abgelöst hatte, zog aus dem Zugewinn an Bewegungsfreiheit ihren Nutzen. Insgesamt entwickelte der Oytener Angriff zu wenig Druck, und entsprechend oft musste schließlich aus ungünstiger Position abgeschlossen werden.
Trotzdem waren es nach relativ ausgeglichenem Verlauf der ersten Hälfte (Oyten bekam nach 4:10-Rückstand Oberwasser) letztlich wenige Minuten, in denen Halle-Neustadt sich einen entscheidenden Vorteil verschaffte. Jaqueline Reinhold hatte in der 38. Minute noch auf 20:18 verkürzt, Halle mit zwei Treffern in Folge zum 22:18 geantwortet, als Oyten aufgrund einer Zeitstrafe gegen Zofia Fialekova die Chance erhielt, erneut aufzuschließen.
Doch es gelang nicht. Die Gastgeberinnen erhöhten vielmehr auf 25:18, und damit war schon so etwas wie eine Vorentscheidung gefallen. Halle dehnte den Vorsprung zwischenzeitlich sogar auf zehn Tore aus (31:21), als nun wiederum Oyten in Unterzahl spielte.
Es spricht für die Moral der Gäste aus dem Landkreis Verden, dass sie sich in der Schlussphase noch einmal aufbäumten und das Resultat einigermaßen erträglich gestalteten. "Mehr als sieben Tore besser war Halle einfach auch nicht", sagte Rajkovic, der seinen beiden Torhüterinnen, Manuela Heise und die zehn Minuten vor Schluss nachrückende Ronja Rotschies gute Leistungen bescheinigte. Wie Halle musste auch Oyten bekanntlich auf seine Erstbesetzung im Kasten verzichten. Fee Klemmt wird allerdings in dieser Woche von ihrer Hochzeitsreise zurückerwartet und soll bereits am nächsten Sonntag in Rostock wieder auf ihrem angestammten Platz beim TV Oyten stehen.
Entnommen aus:
Achimer Kurier vom 01.02.10; Autor: Michael Schön;